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Das Buch als Erlösmodell des Online-Experten by Splitney

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Friday 16 April 2010 - 02:24:52 - Allein mit dem Einstellen von eigenen Texten ins W

Aufgabe der Persönlichkeit durchs Musik-Sharen by Splitney

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Tuesday 13 April 2010 - 22:56:37 - Über die Jahre hinweg habe ich mir eine stattliche

Vergiss News-Apps by Splitney

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Sunday 11 April 2010 - 21:34:14 - Apples neues Ipad "soll es richten". Muhaha. Von d

Werbeanzeigen diskutieren by Splitney

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Friday 09 April 2010 - 19:38:58 - Vor einigen Jahren wurde "Adical" (später umfirmie

People want to own by Splitney

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Saturday 03 April 2010 - 03:15:17 - In jedem Menschen steckt der Wunsch zu ownen, im S

Friday 16 April 2010 - 02:24:52 by Splitney

Allein mit dem Einstellen von eigenen Texten ins WWW ist es fast unmöglich, hinreichende Erlöse zu erwirtschaften. Die Gründe dafür dürften bekannt sein: Eine Gebührenfinanzierung klappt nicht, weil - abgesehen von der immer noch weitgehend ungelösten Frage der Zahlungsmodalitäten - zu jeder Zeit die Anzahl der kostenlos anbietenden Konkurrenten mit gleichartigen Informationen die Zahlungsbereitschaft des Lesers gegen Null sinken lässt. Nennenswerte Werbeerlöse sind unter anderem nicht möglich, weil die Zahl der Anbieter von Werbeflächen die Nachfrage bei weitem übersteigt, weil die Reichweite eines einzelnen Blogs meistens zu gering ist und weil die Themensetzung oft schlecht geeignet ist, um Werbekunden zu akquirieren. Blogger und Journalisten sitzen hier in einem Boot, denn die Onlineausgaben der Verlagsprodukte haben ganz ähnliche Probleme.Man nimmt also Möglichkeiten außerhalb des Bloggens wahr, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Schreibt man die Bloggerarbeit im wahrsten Sinne des Wortes fort, ist man beim Buch angelangt. Man wechselt einfach das Medium und schwupps, lassen sich auf einmal Preise für den Zugang zu den veröffentlichten Informationen realisieren. Druckmaschine und Distribution als Eintrittsbarrieren zum Publishing auf Papier - bloggen kann ja jeder.Im Buch ist dann im Zweifelsfall nichts anderes niedergeschrieben, als was auch in Blogs steht oder stehen könnte. Denn überall kann alles veröffentlicht werden: Literatur ist vollkommen plattformunabhängig. Aber während ein Text im Internet als digitalisierte Ware einfach verschenkt wird bzw. werden muss, entlockt er auf Papier gedruckt dem Buchkäufer eine Zahlungsbereitschaft. Ist das nicht total verrückt?All die Webweisen und Netzapologeten verkünden uns mantraartig nun schon seit Jahren, welche unternehmerischen Möglichkeiten das Internet bietet. Erfolgreiche Firmen wie Google, Apple und Co werden als Beispiele herangezogen, wie man im Web und mit dem Web kommerziell erfolgreich sein kann. Auffallend ist, dass a) immer wieder nur die gleichen altbekannten Big-Player herhalten müssen und b) kaum jemand *innerhalb* des Mediums selber zeigt, wie man tatsächlich erfolgreich ist. Und zwar nicht bei der Anzahl von Twitter-Followern, Facebook-Friends oder Bloglesern, sondern im klassischen betriebswirtschaftlichen Sinne: Erfolg ausgedrückt als monetärer Ertrag.Statt dessen veröffentlicht man Bücher. Na klar, ohne eigenes Buch ist man ja kein ausgewiesener Online-Experte. Als Dreingabe gibts dann immer öfter ein begleitendes Blog. So wie bei Zeitschriften das Forum zum Heft. Ändert nichts an der Sache: das Buch ist die eigentliche Cash Cow - nur Gedrucktes bringt die benötigten Einnahmen. Das Blog bleibt kommunikativ-flankierend, zum Geldverdienen geht man dann doch lieber offline.Nachdem inzwischen wirklich keiner mehr lesen will, was Google und die anderen Dickschiffe alles richtig gemacht haben, versteift man sich bei den meisten Neuerscheinungen mittlerweile darauf, das Web als Kommunikationsmedium anzupreisen. Die Karavane zieht also einfach weiter zum nächsten Thema. In diesem Fall leichtes Spiel, denn da das Buch ein Medium ohne Feedback-Kanal ist, wird als Beweis für die Thesen zusätzlich eben ein Blog aufgesetzt, über das dann die Kommunikation ablaufen soll. Geschenkt.. sozusagen.Also nach wie vor: Erfolgsgeschichten, die man vom Internet behauptet, werden mangels Profitabilität in erster Linie nicht dort publiziert. Heute mal ohne Schlussfolgerung: Man sollte über diesen Widerspruch einfach nur mal nachdenken.

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Tuesday 13 April 2010 - 22:56:37 by Splitney

Über die Jahre hinweg habe ich mir eine stattliche Sammlung von Musikstücken im MP3 Format zugelegt, auf die ich durchaus stolz bin. Auf meiner Festplatte befindet sich ein Grundstock aus zu verschiedenen Zeiten präferierten Songs, teilweise echte Raritäten verschiedener Musikstile. Mal experimentell, auch mal populär, aber nie beliebig.
Viele haben eine solche Sammlung von Liedern, die ihnen in welcher Weise auch immer etwas bedeuten und damit Teil ihrer persönlichen Geschichte werden.Nun ist es ja im Zuge der allgemeinen Sharing-Kultur üblich, ganze Festplatteninhalte mit Musikdateien einfach im Handumdrehen mal auf einen weiteren Besitzer zu übertragen. Nicht nur privat, auch im halbprofessionellen Gebrauch und unter DJs, also bei Leuten, die ernsthaft über Jahre die Musikstücke teils mit Mühe ausgesucht und beschafft haben, wird häufig davon Gebrauch gemacht.
Warum ist das nicht zwangsläufig richtig? Ist doch schön, wenn man anderen Leuten mit seiner Musikauswahl eine Freude machen kann. Nun ja.. Hier mal eine theoretische Betrachtung (die rechtliche Seite lasse ich außen vor, da ich davon ausgehe, dass in dieser Hinsicht jeder weiß, was er tut):1) Eine eigene Musiksammlung spiegelt den spezifischen Geschmack und den Charakter des Besitzers wieder. Die Lieder sind Teil der Individualität und Spiegel der Persönlichkeit. Zeig mir, was du hörst und ich sag dir, wer du bist.
Mit der "Aneignung" einer Zusammenstellung von Songs kann sich ein unbedarfter "Erwerber" sozusagen mit fremden Federn schmücken. Es ergibt sich durch die Ergänzung seines Repertoires eine positive Abweichung von seinem ursprünglichen Hörverhalten. In der Außendarstellung wächst das Ansehen des Beschenkten in gewisser Weise auf Kosten des Schenkenden, der zumindest indirekt Nutzeneinbußen aufgrund der Weiterverbreitung seiner spezifischen Zusammenstellung erfährt. Durch das Sharen geschieht eine Art Verwässerung und Gleichmacherei der Persönlichkeitsprofile.2) Es ist festzustellen, dass meistens diejenigen Leute besonders scharf auf eine ansprechend zusammengestellte Musiksammlung sind, die selber keinen ausgeprägten Geschmack oder kein besonderes Interesse an diesem Hobby haben. Heißt meistens, dass die Übertragung eher einseitig abläuft. Kommt ein Tausch zustande, so stellt sich dieser auf Seiten des erfahreneren Sammlers eher schlechter dar, da er gibt, aber häufig nichts Adäquates im Gegenzug bekommt. Eine wohlwollende Geste dem Empfänger gegenüber also. Für den Partner mit dem ausgeprägteren, spezifischen Geschmack ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass seine Sammlung positiv ergänzt werden kann. Im Falle von Übertragung vieler Stücke aus seiner Sammlung kann das sehr wohl an Ausnutzung grenzen.3) Der leidenschaftliche Sammler hat auch immer eine gewisse Freude beim hobbymäßigen Diggen nach Musikstücken. Jedoch ist dies ebenso mit jahrelangem Aufwand verbunden, mit der Investition von Zeit und Geld. Beim Sharen handelt es sich in den meisten Fällen um eine Angelegenheit, die nicht monetär abgegolten wird. Es entsteht dem Sammler zwar kein direkter finanzieller Schaden - er behält ja seine Exemplare. Eine Aufwandsentschädigung für die Arbeit des Zusammenstellens und die Übertragung seiner Kreativität auf andere erhält er jedoch nicht. Auch das ist eine gewisse Ausnutzung der Ressourcen des Senders durch den Empfänger der Dateien.4) Wird der Empfänger wie beim Kopieren ganzer Festplatten vollkommen überhäuft mit neuen Tracks, ist das auch schlecht. Es treten gegenläufige, unerwünschte Effekte ein. Mit zunehmender Anzahl der kopierten Stücke sinkt die Wertschätzung gegenüber dem Einzelmaterial, die dem Geber überbracht werden kann. Der solchermaßen Beschenkte sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Oder wahlweise: Er kriegt den Hals nicht voll.Beispiel aus der Verhaltenspsychologie: Wenn ein Kind aus "falscher Liebe" mit Spielzeug überhäuft wird, verliert es nicht nur den Überblick, sondern wird einem einzelnen Spielzeug auch nicht mehr so viel Aufmerksamkeit entgegenbringen, als wenn man es nur ab und zu mit einem neuen Geschenk überraschen würde. Die Konsequenz wird mitunter sein, dass es die ganzen Spielzeuge einfach links liegen lässt oder immer mehr verlangt, da es daran gewöhnt wurde. Die Forderungen steigen, das Interesse und die Wertschätzung gegenüber dem einzelnen Objekt sinkt. Aus zunächst gut gemeinter Absicht entsteht Beliebigkeit, Gier und Teilnahmslosigkeit.Was ich damit sagen will: Nicht alles, was heutzutage so hoppladihopp geht, muss man auch ausschöpfen. Sich vorher mal Gedanken machen, ob es persönlich immer Sinn macht, alles Mögliche von sich Preis zu geben. Mit der Zusammenstellung einer guten Musiksammlung ist eine nicht unbeträchtliche Eigenleistung verbunden. Da darf man durchaus auch mal ein bisschen stolz und egoistisch sein. Nicht nur die evtl. anfallenden Erwerbskosten, sondern auch die intensive Auswahlarbeit teils über Jahre hinweg sind zu berücksichtigen.
Das Argument, dass man ja heutzutage eh alles Digitalisierbare immer und überall auf Abruf erhältlich hat und von daher eine Sammlung nichts mehr zählt, führt fehl. Bedingt durch die neuen Möglichkeiten des Internets kommt es mittlerweile nicht mehr so auf die Verfügbarkeit an, denn die ist in den meisten Fällen gewährleistet - und sei es, wenn man lange genug recherchiert. Einzelne, auch rare Tracks sind keine knappe Ressource mehr wie früher, als Musik an bestimmte Tonträger gebunden war.
Nein, die Auswahl macht den Unterschied, die Kompilation, der Geschmack. Dieser besitzt einen Wert. Trotz oder erst recht wegen Sharing. Wer das in Frage stellt, hat entweder keinen Geschmack oder stellt den Menschen generell als Individuum in Frage.Es spielt sich zwischenmenschlich etwas ab. Das sollte nicht die Aufopferung der eigenen Individualität für jemand anderes sein. Es ist selten Bösartigkeit, die beim anderen dahintersteckt, eher ein Begehren. Aber aus einer gut gemeinten Freundschaftsgeste kann auch schnell mal ein Ausnutzen werden. Je unterschiedlicher die Tauschpartner in ihren Möglichkeiten sind, gute Musik aufzuspüren, desto größer das Problem. Andersherum: Am besten klappt Sharen unter gleichgesinnten Partnern, deren Informationsstand, Interesse, Fähigkeiten, Musikgeschmack und Umfang der Sammlung möglichst nahe beieinander liegen. Aber auch dann sollte man es nicht übertreiben.Musik sharen? Als nette Aufmerksamkeit immer gerne, am besten sorgfältig und wohldosiert ausgesuchte Stücke, wie früher beim selbstgemachten Tape, das man für besondere Menschen aufgenommen hat. Dann ist die Freude auf beiden Seiten umso größer.

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Sunday 11 April 2010 - 21:34:14 by Splitney

Apples neues Ipad "soll es richten". Muhaha.
Von den Verlagen ist hier die Rede, die sich mit Hilfe von "Beratern" gerade mal wieder den neuesten Hype einreden.
Ipad anyone? Wollen wir uns mal nicht aufs Fanboy-Bashing konzentrieren, sondern auf das, was jetzt Verlagsprodukte online verkaufen helfen soll: Apps.Die Agenda ist im Grunde genommen folgende: Mit Apple hat man einen imageträchtigen Hardware-Anbieter, der durch seine Marktmacht imstande ist, größere Kundengruppen für die kostenpflichtige Nutzung speziell für seine Geräte geschriebener Applikationen zu gewinnen.Klar, es gibt Leute, die ein paar Euro für eine News-App einer Zeitung locker machen. Es gibt auch Menschen, die Geld für Klingeltöne ausgeben, obwohl man diese ganz leicht umsonst haben kann. Klingeltöne waren hauptsächlich erfolgreich, weil sie erstens neu waren und zweitens dem Verbraucher durch Informationsasymmetrie zunächst kostenlose Alternativen nicht bewusst waren. AOL wurde auch berühmt, weil die Leute nicht wussten, wie sie sonst ins Internet kommen sollten.
Im Gegensatz dazu weiß man bei Apps von Anfang an, dass es parallel zu und weit vor den proprietären Apple-Anwendungen schon immer das offene Internet gab, wo man alle relevanten Informationen kostenlos bekommt. Eine kostenpflichtige App würde demzufolge nur Sinn machen, wenn sie a) was ganz Neues und Anderes oder b) weitaus besser als das ist, was wir auf unzähligen Websites schon vorfinden.
Das sehe ich zumindest bei Newsangeboten nicht. Wie neu kann ich Information in so einer App gestalten? Der Vorgang des Lesens an sich ist auf jedem Medium gleich. Während das Blingbling nebenher sich eben genau so gut auch auf vorhandenen Endgeräten mit einer Website realisieren lässt. Bleibt nur das Blingbling, das ausschließlich mit einem Touch-Display funktioniert. In Sachen Reichweite beschneidet man sich diesbezogen natürlich als Contentanbieter aller Möglichkeiten, wenn man sich auf einen Gerätetyp (Tablet bzw. Smartphone), schlimmer: einen Gerätehersteller (Apple), noch schlimmer: spezifische Anwendungen (Apps) zum Ausführen seiner Produkte konzentriert.Die Marschrichtung ist klar: Medienanbieter suchen nach Möglichkeiten, Verbraucher in ein abgeschlossenes System zu locken, von dem aus sie sich die Anwendungen dann exklusiv und kostenpflichtig installieren sollen. Man bedient sich dazu einer proprietären Hardware eines Fremdherstellers und einer dazugehörigen Verkaufsplattform. Dazu das ganze Paket beim Kunden ordentlich als das Nonplusultra des Informationszeitalters hochjazzen. Der soll sich dann nicht nur ein Tablet, sondern auch noch eins von Apple und dann noch die entsprechende App zulegen. Drei Hürden auf einmal. Und wo genau liegt jetzt nochmal der Vorteil für den Nutzer?Der aufgeklärte Verbraucher zahlt nicht für Inhalte, die es anderswo umsonst gibt. Man lässt sich auch zunehmend ungern von einem Hardware-Hersteller in einen goldenen Käfig sperren und mit einem eingeschränkten proprietären Angebot abspeisen, für das man auch noch latzen soll. Auch mit Hilfe massiver penetranter Werbung nicht. Und auch wenns mit der rosaroten Brille schwerfällt: Für die meisten Leute sind und bleiben Produkte der Firma Apple eher unwichtig.Die Berichterstattung über das Ipad ist zum Großteil eine ganz erbärmliche Lobhudelei auf ein technisches Gadget, das zwar ohne Zweifel eine neue Produktkategorie vorantreibt, für die Benutzung von Informationsangeboten im Allgemeinen aber vollkommen ersetzbar ist. Mit allem, was sich an Geräten bisher bereits auf dem Markt befindet kann man das machen, wofür einige Verlage inzwischen die Hand aufhalten wollen. Tablets sind ein Nischenprodukt, genau wie Notebooks oder Netbooks. Usability? Nicht jeder will mit den Fingern auf einem Display herummanschen. Nicht jeder mag ein Gerät, welches nur aus einem flutschigen Bildschirm besteht, während er sich einen Klapprechner bequem hinstellen oder auf der Couch vor sich hinlegen kann. Die Konstruktion des Ipad ist durchaus pfiffig, etwaige Vorteile reichen aber einfach nicht, um nach den Early Adopters einen größeren Run auf derlei Geräteformate zu erzeugen und damit tatsächlich das Nutzungsverhalten der Verbraucher umzukrempeln. Es ist eine Ergänzung, kein Ersatz für das vorhandene Produktportfolio.Als Revolution und Zukunft des Journalismus von schwer hypeanfälligen Internetsenioren (im Netz gilt übrigens beim Senior meistens: nur vom Alter, nicht von der Erfahrung) wird das Ganze nun hochgejubelt. Wie? Ich dachte immer, die Zukunft des Journalismus liegt im Journalismus, aber weit gefehlt: Die coolen Apple-Produkte werden aus Laptop-Usern und Bezahlcontent-Verweigerern schon ganz schnell Ipad-Fetischisten und treue App-Abonnenten machen. I can't believe it.Ganz ehrlich: Wer sich freiwillig in eine solche Rolle begibt und dieses Spiel nicht durchschaut, der wirkt eher an der Abschaffung des offenen Informationssystems Internet mit, als dass er den Journalismus retten würde. Auf Seiten der User ist dieses Verhalten genau so dumm wie auf Seiten der Inhalteproduzenten, die anstatt es mit innovativen eigenständigen Webangeboten zu versuchen ihre Rolle als bereitwilliger Content-Zulieferer für eine Fremdplattform manifestieren, sich mit auf allen Kanälen verbreiteter kostenloser Promotion zum Steigbügelhalter der Marke Apple machen und sich sowohl betriebswirtschaftlich als auch redaktionell über kurz oder lang in eine totale Abhängigkeit und Fremdbestimmung manövrieren. Eins ist klar: Der ganze Bohei spielt letztendlich nur einem Unternehmen massiv in die Hände, und das ist Apple.Man kann ja verstehen, dass jetzt die Zeit angebrochen ist, in der man sich als Verlagsstratege an jeden Strohhalm klammert. Es ist anscheinend immer Saison für einen ordentlichen Hype, dem man sich kritiklos und unreflektiert hingeben kann.
Doch bitte nichts vormachen: Die Rettung des Journalismus liegt ganz gewiss nicht im Anbiedern an eine Firma, die einige Leute gut finden - mit einer halbgaren Produktlinie und kostenpflichtigen Applikationen, die sich beim Konsumenten nie wirklich durchsetzen werden. Sie liegt wenn überhaupt in abgespeckten Redaktionen, gut recherchierten Texten und vernünftigen Website-Anwendungen.

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Friday 09 April 2010 - 19:38:58 by Splitney

Vor einigen Jahren wurde "Adical" (später umfirmierung in "Nads", kurz darauf "Adnation") initiiert, ein Werbevermarkter einiger klüngelnder hauptsächlich Berliner Blogs. Prinzipiell zunächst mal keine schlechte Idee. Auf der Firmenwebsite waren Argumente zusammengetragen, um Werbetreibende für Werbung auf Blogs zu begeistern. Dort war unter anderem zu lesen, dass Blogs wegen der Demografie ihrer Nutzerschaft als Werbemedium prädestiniert sind. Early Adopters, die Werbeanzeigen gegenüber zwar kritisch, aber sehr aufgeschlossen gegenüberstünden. Was meiner Meinung nach vollkommen unbewiesen ist. Ein Vorschlag ist mir in diesem Zusammenhang jedenfalls in Erinnerung geblieben: Werbemittel kommunikativ, also ganz im Sinne der Web 2.0-Ideologie nutzen. Mann könne ja den Werbebanner nicht nur einfach neben einen (weitgehend nicht in Zusammenhang stehenden) Text stellen, sondern ihn auch ganz konkret und bewußt zum Gegenstand der Debatte in den Blogkommentaren machen, so war sinngemäß zu erfahren.
Soso, eine öffentliche Diskussion auf einem Blog also über einen dort eingeblendeten Werbebanner - das klingt ja erstmal total innovativ und interaktiv. Frage nur: was taugt's?Dazu muss man wissen, dass unaufgeforderte Werbung per se eigentlich immer nervt. Sofern der betreffende Blogbesucher also nicht sowieso schon einen Adblocker eingeschaltet hat, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass ihn die Werbung nicht nur nicht interessiert, sondern ihn zunächst mal als störend anspricht. Nicht umsonst ist psychologisch oft festzustellen, dass sich Blogkommentatoren ob ihres eingeschalteten Werbeblockers rühmen, technische Spezifikationen ihres "Supertools" großspurig preisgeben, sich über die anderen Benutzer stellen und jene herablassend verlachen, die mit Werbung surfen. Auf diese Weise wird eine Art Mund-zu-Mund Promo für diese Browser-Addons - die natürlich wie jeder weiß von jedermann ohne Aufwand ganz einfach installiert werden können - angezettelt, nach dem Motto: "Wie, du gibst dir noch freiwillig Werbung auf Webseiten?". Und wer möchte schon gerne zu den Rückständigen gehören.Trotzdem: Angenommen, es kommt unter diesen Verbliebenen tatsächlich eine Diskussion über das Werbemittel zustande, wie wird eine solche Diskussion in einem Blog ablaufen? Kommt erstmal auf die Art der Werbung an, die Beschaffenheit des Werbemittels, das Markenimage, die Werbebotschaft. Eine für den Werbetreibenden förderliche Auseinandersetzung wird nur passieren, wenn diese Dinge alle stimmen. Dann würde es eventuell neben verbreiteter relativ harmloser Gleichgültigkeit mehr Zuspruch als Ablehnung geben und eine ehrlich positive Kommunikation unter den Rezipienten ablaufen.Das ist Wunschdenken. Ein nicht geringer, wahrscheinlich aber der überwiegende Teil der User wird die Werbung verreißen. Es ist nicht angeforderte Werbung auf einem Blog, das man zuallererst wegen der dort abgestellten Inhalte aufsucht. Man ist primär mit dem Konsum des eigentlichen Contents beschäftigt - alles andere wirkt eher störend. Es müsste wenn also ein Blog mit klarer Ansage sein, entweder deutlich produktbezogen oder mit thematischem Bezug auf Werbung als solches. Scheiden also die meisten ernstzunehmenden Blogs des Netzwerks direkt mal aus.Die Diskussion über die Werbebotschaft lässt sich für den Werbetreibenden nicht kontrollieren. Was unter Community-Gesichtspunkten auch total gewollt ist, denn man möchte natürlich nicht, dass sich der Werbetreibende einseitig einmischt, gar mit gefakten positiven Kommentaren und ähnlichem PR-Quatsch, was einfach schmierig und unpassend wirkt. Solche Bestrebungen werden innerhalb der Community immer recht schnell als unglaubwürdig entlarvt und sind daher unter allen Umständen zu vermeiden. Beispiele, bei denen solcherlei Einflussnahme des werbenden Unternehmens auf das Geschehen komplett schief gegangen ist (Stichwort PR-Gau), gibt es mittlerweile genug. Und: "Any promotion is good promotion" ist ein ausgemachter Schmarrn. Es gibt Anti-Werbung und es gibt die negativen Effekte, das ist Fakt. Verantwortliche, die dies nicht wahrhaben wollen, setzen den guten Ruf ihres Unternehmens aufs Spiel.Wieviel negatives Feedback verträgt eine Marke? Hand aufs Herz: Eigentlich will man kein öffentliches Blabla unter den Nutzern. Was man will, ist strikt konservativ die Kontrolle über die Markenführung nach Möglichkeit nicht aus der Hand zu geben. Was verständlich und richtig ist, denn vollkommen auf Autopilot wäre eigene Werbung überflüssig und sinnlos. Wenn man also schon eine direkte Kommunikation unter den Usern sucht, bedient man sich demzufolge als Grundvoraussetzung konsequenterweise einer eigenen Plattform.Web 2.0, Community, Interaktion - da beißt die Maus keinen Faden ab. Traditionelle Werbemittel wie Banner und Co in Verbindung mit einer fremden Kommunikationsplattform sind kaum geeignet, um vorteilhafte Diskussionen unter den Rezipienten anzustoßen. Das gleiche gilt sinngemäß für Youtube-Videos von Markenherstellern. Hier stehen ihnen zwar immerhin eigene Channels zur Verfügung, was aber nur bedingt vor Schaden schützt. Gerade eben macht sich z.B. Nike mit einem hochproblematischen Spot über Tiger Woods komplett unter der Userschaft lächerlich. Unfassbar, wer pflanzt Marketingabteilungen solche Hirngespinste ein, dass derartige Entgleisungen auch nur in irgendeiner Weise förderlich für die Marke seien? "Ehrliche" Markenkommunikation - wohlgemeint und miserabel ausgeführt. Meine Güte, wir sind hier nicht im Fernsehen oder im Kino, wo man höchstens mit seinem Nachbarn tuschelt. Unbedacht und sorgfaltslos eingestellte Werbung wird sofort negativ besetzt und entsprechend offensiv über das Medium weitergereicht. Wie man es dreht und wendet, virale Effekte dieser Art sind einfach nicht gut, sie sind Gift.Back to the old school: Bei Werbung auf Sender-Empfänger Prinzip vertrauen, Abtretung der Markenkontrolle und öffentliche Auseinandersetzung der Rezipienten untereinander nur, wenn Produkt, Medium und Botschaft in Einklang stehen und nach besten Fähigkeiten auf eine weitgehend positive Resonanz vorbereitet und optimiert sind. Alles andere kann man sich als werbetreibendes Unternehmen (er)sparen.

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Saturday 03 April 2010 - 03:15:17 by Splitney

In jedem Menschen steckt der Wunsch zu ownen, im Sinne von besitzen. Natürlich will man auch sharen, oder besser gesagt: Man will, dass geshared wird, um ownen zu können. Ob man selber zwangsläufig mitmacht, ist eine andere Sache.Es gibt Waren, die sind prädestiniert dazu, online verteilt zu werden. Alles was digitalisierbar ist. Das war schon immer "raubkopiergefährdet". Völlig falsches Wort, denn erstmal, was ist das überhaupt, was da "geraubt" werden soll?Musik. Ein Produkt? Ja, mit Aufwand und Produktionskosten für den "Musikproduzenten". Eine Dienstleistung? Ja, der vermittelte "Hörgenuss".Raubkopie? Als Produkt? Nein, die Musik wurde an einen neuen Verbraucher weiterverbreitet. Es ist kein Gegenstand. Im Prinzip könnten alle, die online sind darauf Zugang haben.
Als Dienstleistung? Nein, höchstens "Ausbeutung", sofern der Dienstleister - in dem Fall der ursprüngliche Hersteller - nicht kompensiert wird.Streaming. Alter Wein in neuen Schläuchen, eine Art "Online-Hörfunk". Im Zweifelsfall möchte ich aber meine Musikstücke portabel und jederzeit abrufbar bei mir haben, auf Festplatte im Rechner oder auf einem mobilen Endgerät. Weil es eben geht. Und deshalb haben Streaming-Dienste nur die Mittlerrolle als Verteilstation. Der Endverbraucher möchte immer noch besitzen, ob "ungerechtfertigt" oder nicht.

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