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The Goog - Mit Opt-Out zur Weltherrschaft by Splitney

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Tuesday 31 August 2010 - 12:08:10 - Die Amerikaner haben ja ein etwas anderes Verständ

Die Überschätzung der eigenen Wichtigkeit by Splitney

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Tuesday 17 August 2010 - 03:21:28 - An Menschen, die sich gerade neu im Web einbringen

Sevenloads unternehmerische Erfolglosigkeit by Splitney

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Qualität und Werbefinanzierung bei Fernsehproduktionen by Splitney

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Image Banner revisited by Splitney

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Friday 30 July 2010 - 00:49:16 - Aus Jux und Dollerei habe ich auf dem Partyguide m

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Tuesday 31 August 2010 - 12:08:10 by Splitney

Die Amerikaner haben ja ein etwas anderes Verständnis von Marketingaspekten. Ungebetene Werbeaktionen an Privatleuten wie z.B. Telefonanrufe mit kommerziellem Hintergrund sind nicht per se verboten. Auch das Recht auf Meinungsfreiheit ist sehr freizügig ausgelegt: Jeder darf weitgehend ungehindert seine persönlichen Ansichten medial unters Volk bringen - bis hin zu Äußerungen, die in anderen Ländern strafrechtlich relevant wären. Große Internetplattformen werden aus der Schusslinie genommen, sofern es um darauf befindlichen rechtlich fragwürdigen User Generated Content geht. Statt dessen soll der einzelne User als jeweiliger Inhalteersteller zur Verantwortung gezogen werden, was in der Realität aber kaum durchgesetzt wird.Wichtige Bestandteile dieses amerikanischen Systems sind die Eigenverantwortung des Einzelnen für sein Handeln und gleichzeitig seine maximale Entfaltungsmöglichkeit. Unter Ausnutzung dieser Maßgaben können dann erst Pflänzchen wie Google gedeihen, die ihre Geschäftsgrundlage von Anfang an auf dem Prinzip "erst machen, dann fragen" gebaut haben. Eine Vorgehensweise, die so in den meisten anderen westlichen Ländern aufgrund einer restriktiveren Gesetzgebung nicht praktikabel, zumindest aber nicht gewollt ist.Das fing mit der Suchmaschine an. Jede Webseite wird indexiert. Ja, man hat die Möglichkeit, den jeweiligen Suchmaschinenanbieter von seiner Website auszuschließen. Dazu müssen Einträge in das "robots.txt"-File durchgeführt werden. Allein das ist bereits eine technische Hürde, und sei sie noch so trivial. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber, das Prinzip festzuhalten: Eine Entität gräbt fremden Content automatisiert und unaufgefordert an und veröffentlicht ihn in Schnipselform auf ihrer eigenen Webpräsenz.Man stelle sich vor, Google hätte jeden Website-Betreiber vorher fragen müssen, ob er in der Suchmaschine auftauchen will. Man bedenke die zeitliche Komponente: Vorher heißt, dass zunächst ja überhaupt keine gesammelten Inhalte vorhanden sind und damit auch der wichtigste Anreizfaktor für Produzenten noch gar nicht besteht, warum man überhaupt in so einer Suchmaschine mit seinen eigenen Inhalten präsent sein will. Wo kein Angebot, da auch keine Nutzer. Abgesehen vom Aufwand: Wenige hätten der Veröffentlichung ihrer Webseiten in einem fremden unbekannten und zunächst unbedeutenden und unbesuchten weil leeren Index zugestimmt. Wäre also ein Einverständnis der Inhalteanbieter nötig gewesen, wäre das Projekt Google wie auch das vieler anderer Suchanbieter von vorne herein unmöglich gewesen.Weiter geht es mit den Werbeanzeigen. Behavioral targeting, also die gezielte Kundenansprache aufgrund von spezifischen Verhaltensweisen bzw. Interessen. Diese Informationen werden unter anderem mit Hilfe von auf der Festplatte des Internet-Surfers abgelegten Cookies gespeichert. Auch das kann man natürlich unterbinden, es gibt Hinweise in den Terms of Service etc. Aber auch hier bemerkenswert: Das Sammeln von Konsumentendaten geschieht ungefragt und spielt hiermit den Anbietern und Verwertern von solchen Services wiederum absolut in die Hände. Kaum jemand würde der Erhebung und Verwendung von Nutzungsdaten für Werbezwecke zustimmen, würde er nur im Vorhinein explizit gefragt. Das Versprechen von interessanterer, weil zielgerichteter Werbung wäre wohl kaum verlockend genug, um dem User das Einverständnis zur Nutzung von Daten über sein Surfverhalten abzuringen.Thema Youtube: Nach deutscher Rechtsprechung ist es ja üblich, dass der Betreiber einer Internetplattform juristisch verantwortlich ist für die Inhalte, die dort veröffentlicht sind. Heißt z.B. für den Inhaber eines Blogs oder eines Forums, dass er die Beiträge und Kommentare seiner User im Auge behalten muss, um nicht rechtlich belangt zu werden. Bedenkliche Inhalte, z.B. Beleidigungen und Verleumdungen oder auch Copyright-Verstöße sollten demnach innerhalb einer kurzen Frist zeitnah gelöscht werden. Und zwar eigenständig, ohne dass man von Dritten auf die Bedenklichkeit hingewiesen worden ist.Nun gibt die amerikanische Rechtsprechung den Betreibern von Internetangeboten weitaus mehr Freiheiten. Zwar bewegen wir uns hier wohl immer noch in einer rechtlichen Grauzone, aber de facto ist es so, dass großen Plattformen wie Youtube der Status des Service-Providers eingeräumt wird. Und das, obwohl sie durch Einblendung von Werbeanzeigen gleich neben den fremden Inhalten Geld verdienen - also nicht ausschließlich die technische Infrastruktur zur Verfügung stellen wie z.B. ein Hoster, sondern im Grunde genommen auch keine andere Rolle übernehmen, als jeder andere kommerzielle Publisher. Viacom will in einem langwierigen Prozess gerade ausloten, ob hier bei der Veröffentlichung von urheberrechtlich geschützten Inhalten nicht Google direkt zur Verantwortung gezogen werden kann. Zahlreiche Eigentümer von rechtlich geschütztem Content sind in der Zwickmühle. Einerseits die massive Promotion der eigenen Inhalte vor der enormen Userbase von Youtube. Andererseits verdienen nicht die Urheber, sondern in erster Linie Google unmittelbar Geld mit den geschützten Werken - die zudem gerne von den Usern direkt von Youtube kostenlos gerippt werden.Mit anderen Worten: Auch bei Youtube findet wieder das Opt-Out Prinzip Verwendung: Die bedenklichen Inhalte werden weitgehend ungehindert von einzelnen Usern hochgeladen und brauchen erst dann entfernt werden, wenn der eigentliche Urheber der Veröffentlichung widerspricht bzw. er oder jemand anderes auf die Bedenklichkeit aufmerksam gemacht hat. Wenn die Prozedur anders liefe, also der Plattformbetreiber dazu verpflichtet wäre, sämtliche Inhalte vorher auf rechtliche Unbedenklichkeit zu prüfen bzw. alle fragwürdigen Inhalte unaufgefordert innerhalb einer kurzen Frist zu entfernen, es gäbe kein Youtube. Die in diesem Punkt wesentlich laxere amerikanische Rechtsprechung hat somit auch hier erst die Voraussetzung geschaffen, dass Firmen wie Google überhaupt eine Plattform wie Youtube betreiben können.Abschließend: Streetview. Wie vorher schon bei Google Books, gleiches Prinzip auch hier: erst Tatsachen schaffen, dann nachfragen. Hätte Google um das Einverständnis jedes Hausbesitzers betteln müssen, sein Eigentum abzulichten - sie hätten den Dienst begraben können. So aber bietet man großzügig ein Formular an, über das man im Nachhinein Einspruch erheben kann, womit die Häuserfassade dann verpixelt dargestellt wird. In Deutschland wäre ein medial derart offensives Vorgehen eines anderen Anbieters wohl noch viel skeptischer beäugt worden. Doch es ist Google und Google ist gut für uns, weil es so praktische und bequeme Dienste anbietet und so bekannt ist. Dabei kommt den Big Guys der Umstand zugute, dass die Gesetzgebung der technischen Entwicklung hinterherhinkt. Viele rechtliche Fragen sind ungeklärt. Daher lohnt es sich oftmals, erst Fakten zu schaffen und dann abzuwarten, wie die jeweiligen Länder juristisch auf die Geschäftspraxis reagieren.Und so steigt die Marktmacht weiter und weiter, unaufhaltsam. Wichtige Erkenntnis: Die Grundlage für die unglaubliche Power und den mittlerweile auch spürbaren polititschen Einfluss dieser Internetgiganten ist in dem amerikanischen Verständnis von rechtlich zulässiger Marketingkommunikation zu finden. Mit Opt-Out zum Erfolg, also der ungefragten Erstansprache, der zulässigen Aktion des Unternehmens vor der Reaktion der betroffenen Personen - statt Opt-In, also der Erfragung des Einverständnisses des Konsumenten, bevor eine kommerziell relevante unternehmerische Maßnahme durchgeführt werden kann. Oder anders ausgedrückt: Die Zulässigkeit, zunächst unbeteiligte Individuen ungefragt (also quasi zwangsweise) in eine Kundenbeziehung zu überführen. Das dürfte mithin ein ganz gewichtiger Grund sein, warum fast ausschließlich amerikanische Firmen den Internetmarkt beherrschen.

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Tuesday 17 August 2010 - 03:21:28 by Splitney

An Menschen, die sich gerade neu im Web einbringen, z.B. durch ein eigenes Blog, sieht man oftmals sehr gut die völlig überzogenen Erwartungen, die diese an die Resonanz auf ihre Tätigkeit haben. Da wird davon ausgegangen, dass die Menschheit nur darauf gewartet hat, dass man selbst etwas im Internet über sich oder Gott und die Welt schreibt. Tausende Besucher werden natürlich auf die neu geschaffene Webpräsenz strömen - die haben ja auch sonst mangels thematischen Alternativen nichts besseres zu tun.. Es wird sich allen Ernstes gewundert, dass die Leute einem nicht von Anfang an die Bude einrennen.Naja und dann muss sich jeder zwangsläufig mal schnell dem erforderlichen Realitäts-Check unterziehen und feststellen, dass das mit dem Publikum im Netz gar kein Selbstläufer ist, sondern man aufgrund der statistischen Gegebenheiten froh sein kann, wenn einen überhaupt jemand findet. Und so bleibt es dann bei einer Handvoll zumeist auch noch zufälliger täglicher Besucher, die sich mangels Masse und Interesse natürlich nicht an der angebotenen Konversation beteiligen und sich auch nicht durch Drücken des Flattr-Buttons oder Klicken auf einen Werbebanner bemerkbar machen. Denn Fakt ist leider: An der Gesamtheit der Websurfer gemessen liest kaum jemand Blogs. Und die wenigen, die es tun, haben die Auswahl zwischen unzähligen Informations- und Unterhaltungsangeboten und konzentrieren sich im Wesentlichen auf die dicken Fische. Den Boden der Tatsachen nennt man diese Erkenntnis dann wohl.Ganz ähnlich verhält es sich denn auch bei der gestörten Selbstwahrnehmung als Usergruppe von sozialen Netzwerken. Längst nicht jeder ist auf Facebook. Wenn man nicht gerade Twen oder jünger ist, kann man mit Erstaunen feststellen, dass da eher eine Minderheit an Gleichaltrigen, z.B. ehemaligen Klassenkameraden wirklich aktiv ist. Das schiefe Bild entsteht hier durchs Mitmachen: Hält man sich innerhalb der eingeschworenen Community auf, so bekommt man leicht einen falschen Eindruck von der Zahl und der Außenwirkung der Teilnehmer. Thematisch heißt das dann unter anderem: Der Party-Spaßmob lässt sich vielleicht noch ganz vortrefflich viral organisieren - beim online verbreiteten Aufruf, z.B. bei wichtigen politischen Dingen doch mal den Computer auszuschalten und auf die Straße zu gehen, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Die reale Aktivierung von Onlinemenschen gestaltet sich mitunter als sehr mühsam. Auch die zahlenmäßige Bedeutung der eigenen Spezies in Relation zur Gesamtbevölkerung wird vollkommen übertrieben eingeschätzt. Man denke nur an die regelmäßigen Topergebnisse, die die Piratenpartei in Online-Umfragen erzielt. Und das bislang dann doch sehr klägliche Abschneiden bei realen Wahlen.Extremer ist das alles bei Twitter zu beobachten. Im Mikrokosmos der Twitter-Aktivisten lässt sich durchaus ein gewisser Realitätsverlust beobachten. Nicht nur die Anzahl der Gleichgesinnten wird angesichts des kuscheligen Gemeinschaftsgefühls eines sozialen Netzwerks massiv überschätzt. Sondern damit einhergehend auch die gefühlte Relevanz als gesellschaftliche Gruppe. Als ob man irgendwas zu melden hätte oder der Senf, den man auch noch dazu geben muss, irgendwen da draußen interessieren würde.Sorry, der Zahn muss den Fanboys dann schon gezogen werden: Laut der neuen ARD/ZDF-Onlinestudie nutzen weniger als ein Prozent der Bevölkerung regelmäßig Twitter, wohingegen es 98% komplett am Allerwertesten vorbeigeht. So ist Twitter trotz gegenteiliger Behauptungen der Intensivnutzer ganz bestimmt kein relevantes Medium, genausowenig wie seine euphorischen User gesellschaftlich irgendwie wichtiger und deren Artikulation nach außen halbwegs vernehmbar wären. It's just a lot of noise.

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Tuesday 10 August 2010 - 03:15:08 by Splitney

Kennst du Sevenload? Klar, die Marke wird ja nun schon seit geraumer Zeit quer durch die Medien geprügelt. Ich selbst kann mich nicht daran entsinnen, selbst jemals schon aus eigenem Antrieb Besucher der Plattform bzw. Konsument ihres Contents gewesen zu sein. Warum auch, wenn ich Videos suche, finde ich alles was ich brauche in den allermeisten Fällen bei der mit Abstand meistgenutzten Anlaufstelle Youtube. Alle anderen Anbieter, insbesondere die deutschen wie Myvideo und Sevenload, müssen sich hinten anstellen.Wie auch immer, im Netz stolpert man gerne mal über die Personalie Ibrahim Evsan, seines Zeichens "Founder of Sevenload". Als Berufsbezeichnung macht das ja oberflächlich betrachtet zunächst schon mal Eindruck. Er war als "Denker und Lenker" für die technische Gestaltung der Plattform eingesetzt. Dafür bekam er Preise. Inzwischen ist er abgetreten, schrieb ein Buch, betätigt sich als Berater und ist Mitglied bei irgendwelchen branchennahen Institutionen. Bestimmt ist er ein netter Kerl mit einigen interessanten Ansichten. So weit, so gut.Doch was steckt unternehmerisch dahinter? Man lässt sich immer so von einer Firmenmarke blenden, aber fragt nicht nach. Um festzustellen, welche Substanz hinter der Fassade vorhanden ist, sollte man erstmal wissen, was es denn mit dem Geschäftsmodell Sevenload auf sich hat. Die Firma gibt es ja nun schon seit ein paar Jahren, sie war seinerzeit außerordentlich erfolgreich beim Einsammeln von Venture Capital und man sollte ja dann inzwischen auch mal wissen, wo die Reise hingeht. Was ist draus geworden, sind sie inzwischen profitabel?Nun, das Geschäftsmodell lautet - so langweilig wie üblich - Werbefinanzierung und Paid Content. Immer die gleiche Leier. Da schwant einem schon Übles, denn es gibt so gut wie keine Firma in der Branche, die damit Geld verdienen würde. Die Jahresabschlüsse zeigen dann auch auf, dass der Laden bisher nicht nur mit einer enormen Burnrate das Kapital seiner Investoren verplempert, nein schlimmer: es werden zudem noch Jahr für Jahr steigende operative Verluste angehäuft. Für das Geschäftsjahr 2007 steht da ein Jahresfehlbetrag von über 2,3 Millionen Euro und für 2008 von fast 7,5 Millionen Euro. Das sind - ab von dem ganzen Bullshit-Talk drumherum - die ausschlaggebenden nackten Zahlen. Ich denke, sie sprechen für sich.Geschäftsführer Axel Schmiegelow bemüht sich mit PR-lastigem Unternehmersprech um Schadensbegrenzung, aber redet sich angesichts der harten Fakten letztendlich doch nur um Kopf und Kragen. Angesichts der starken Verwerfungen zwischen Aussenansicht und inneren Vorgängen bei all diesen mit massiven Zuschüssen hochgepeppelten und über Jahre künstlich am Leben gehaltenen Web2.0-Startup-Klitschen, treibt mich insbesondere eine Frage seit langem umher: Was ist unternehmerischer Erfolg?Ist Erfolg eine zutiefst individuelle Sache, also das rein persönliche Glück und wirtschaftliche Wohlergehen der unternehmerisch Verantwortlichen? Erwartungen zu schüren, Investorengelder einzusammeln, dann rechtzeitig aus einer Unternehmung auszuscheiden und sich fortan mit dem Titel "Founder" der allseits bekannten Marke zu schmücken? Den vergoldeten persönlichen Exit zum optimalen Zeitpunkt zu schaffen, gleichzeitig aber den Erfolgsnachweis des vielgepriesenen Geschäftsmodells anderen zu überlassen? Sich auf diese Art und Weise schadlos aus der Affäre zu ziehen und im Nachhinein beratende, wohlwissende Sprüche klopfen zu können? Schließlich hat man sich durch den pfiffigen Abgang ja nichts vorzuwerfen, nicht wahr.Oder ist Erfolg das Einsteigen und Eingesetztwerden nach der Gründung zu einem Zeitpunkt wo ein Unternehmertyp gefragt ist, der den Kahn durch die wilden Gewässer des Webbusiness manövriert? Immer ein gutes, wärmendes Wort für Investoren und Öffentlichkeit parat. PR-technisch begabt und ansonsten nur Verwalter der Finanzierungsmaßnahmen, die mit großen Hoffnungen und Erwartungen in das Unternehmen fließen. Dabei mit ordentlichem festen Gehalt aus dem Subventionstopf, kaum Risiken und persönliche Verantwortung. Wenns schief geht, egal, dann waren halt der Markt oder die Kunden schuld. Ein Leben von der Kapitalspritze. Das wäre die Rolle eines Geschäftsführers, der von außen "eingesetzt" wird.Oder ist unternehmerischer Erfolg nicht was ganz anderes? Bekannte guckten mich damals schief an, als ich erzählte, dass ich Full-Time einen Partyguide im Netz betreibe. Klar, beim Besuch der Website konnte der Eindruck der Lächerlichkeit durchaus entstehen: "Was, mit den paar Webseiten, wie soll das denn gehen, mach lieber was Vernünftiges." Nun ja.. ich verdiente in dieser Zeit bis zu 4000 Euro im Monat aus Werbeeinnahmen. Mit harter Arbeit, im stillen Kämmerchen, ganz ohne marktschreierisches Auftreten nach außen (was ein Fehler gewesen sein könnte). Das Ganze ohne einen Cent Venture Capital und ohne irgendwelche Millioneninvestitionen amortisieren zu müssen.Wenn es auch selbstbeweihräuchernd klingt, aber im Nachhinein betrachtet komme ich angesichts der vielen Blender immer mehr zu der Einschätzung, dass das damals ein unternehmerischer Erfolg war. Im Gegensatz zu den meisten anderen habe ich es immerhin geschafft, statt große Sprüche zu klopfen mit einer Unternehmung wirklich profitabel zu sein. Wenn auch nur als Ein-Mann-Betrieb mit all den Schwächen und Defiziten und auch leider nur für ein paar Jahre. Das ist halt unternehmerisches Risiko. Aber egal ob im großen oder kleinen Stil, alleine das Ziel zu erreichen, profitabel zu sein, ist entscheidend. Bei einer Anschubfinanzierung durch Fremdkapital reicht dies freilich noch nicht. Die Investitionen müssen ja auch wieder eingespielt werden, um wirklich gewinnbringend zu operieren. Jeder, der das schafft, hat meinen allergrößen Respekt. Ob man dazu keinen oder 30 Mitarbeiter benötigt, liegt an der Größenordnung des Vorhabens, ist als solches aber nur insofern relevant, als dass letzteres natürlich wohlfahrtstechnisch höher anzurechnen ist, weil man es dann auch noch geschafft hat, einige Leute zusätzlich in Lohn und Brot zu bringen.Das schaffen Firmen wie Sevenload zwar auch, doch zu welchem Preis? Erstens klappt es von vornherein immer nur für eine begrenzte Zeit, denn spätestens wenn die Kapitalgeber ihr Geld wiedersehen wollen, ist Sense. Man kann logischerweise nicht auf Jahre hinaus unwirtschaftlich arbeiten, zumal ohne wirkliche Perspektive - irgendwer ist immer der Dumme und zahlt die Zeche. Das ganze Konzept ist natürlich nicht nachhaltig, denn letzten Endes lebt das gesponserte Unternehmen auf Kosten anderer Leute und verzerrt zudem noch die Wettbewerbsstruktur am Markt - nochmal ein ganz eigener Sachverhalt, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.
Lieber gar nichts tun, als Kapital in dieser Größenordnung zu verbrennen, könnte man meinen. Wie viele Menschen könnte man allein mit diesen Investorenmillionen ein Leben lang durchfüttern?Ehrlich, abgesehen von gewiss vorhandenen Teilerfolgen: No respect für Evsan und Co. Wer den harten Profitabilitätsnachweis schuldig bleibt, ist in meinen Augen kein erfolgreicher Unternehmer, fertig aus. Zudem finde ich es eher frech, wenn diese Leute dann im Nachhinein auch noch mit ihrer unternehmerischen Minderleistung hausieren gehen und meinen, der Menschheit erklären zu müssen, wie man es richtig macht.Aber vielleicht sehe ich das auch alles falsch und es geht im Berufsleben einfach nur darum, seine Schäfchen irgendwie ins Trockene zu bekommen, sich von der Öffentlichkeit oder irgendwelchen Gönnern bezahlen zu lassen und letzten Endes auf Kosten der Allgemeinheit seine Pöstchen zu besetzen. Wenn man nicht wüsste, dass eine Volkswirtschaft, in der keine Mehrwerte erzielt werden, auf Dauer nicht lebensfähig ist.

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Tuesday 03 August 2010 - 17:18:26 by Splitney

Wenn man behauptet, das deutsche Fernsehen sei selbst Schuld an seinem Untergang, so ist dies nur für den Aspekt richtig, als dass man es gerade verpasst, neue Sende- und Bezahlstrukturen zu entwickeln. Ansonsten muss man die Anbieter hier sogar in Schutz nehmen. Es lohnt sich für die deutschen Privatsender in vielen Fällen einfach nicht, aufwändige Fernsehproduktionen ins Programm einzubauen.Was wir besonders an den Diskussionen im Internet sehen, ist, dass es eine kleine, dafür aber äußerst enthusiastische Hardcore-Fraktion gibt, die bestimmte, zumeist amerikanische TV-Serien der neuen Generation über alles liebt. Man sollte aber nicht die Perspektive verlieren: Dies sind verglichen mit der deutschen Gesamtbevölkerung sehr wenige Zuschauer, die nur so überproportional hier in Erscheinung treten, weil sie zugleich auch besonders onlineaffin sind und natürlich immer, wenn ihr Lieblingsthema angesprochen wird, sich rege an der Diskussion beteiligen.Free-TV-Sendern kann man in diesem Fall keinen Vorwurf machen. Sie sind auf Reichweite angewiesen und haben zudem kaum Möglichkeiten mit dem zugekauften Sendecontent durch Weitervermarktung einen Mehrwert zu erzielen. Ein Medienanbieter - gleich auf welcher Plattform er operiert - verschenkt Einnahmepotenziale, wenn er sein Programm ausschließlich werbefinanziert ausstrahlt, zugleich aber spezielle Inhalte bringt, für die es nur relativ wenige, aber darüber hinaus zahlungsbereite Konsumenten gibt. Das Hin- und Herschieben solcher Formate im Programmangebot der Sender in der vergeblichen Hoffnung auf bessere Einschaltquoten zeugt davon.Das herkömmliche Modell der rein werbefinanzierten Ausstrahlung ist mit den Qualitätsansprüchen dieser jungdynamischen Gruppe von Fernsehzuschauern nicht mehr vereinbar. Bleiben also nur passende Bezahlangebote in verschiedenen Distributionsformen übrig, um die eingeschworenen Fans zu bedienen. Die Impulse dafür werden wohl eher direkt von den amerikanischen Quellen zu erwarten sein, als dass der Markt der inländischen Fernsehmedien dazu imstande ist, sich selbst grundlegend den Bedürfnissen des "neuen" Publikums anzupassen.

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Friday 30 July 2010 - 00:49:16 by Splitney

Aus Jux und Dollerei habe ich auf dem Partyguide mal wieder grafische "Image"-Werbung für Werbetreibende über das Adsense-Konto freigeschaltet. Um zu schauen, was für Banner auf meiner Website eingeblendet werden und welche Erträge sie bringen.Zunächst einmal die Kritik an der Abrechnungsmethode: Grafikbanner sollten eigentlich im Gegensatz zu Textanzeigen generell auf CPM-Basis (also per Impression, Einblendung) abgerechnet werden. Wieso? Nun, Werbung mit Bildelementen enthält immer auch einen Bonus on top, nämlich die visuelle Komponente. Diese ist bei simplen Textanzeigen naturgemäß nicht vorhanden, dort geht es um unaufdringliche werbliche Information. In einen Grafik- oder Videobanner hingegen kann man prinzipiell alles mögliche hineinpacken: neben Information, Aufforderung und Kontaktdaten eben auch visuellen Impact und Erlebnisse. Das wird bei den meisten konventionellen Werbemitteln zwar nicht in dem Maße angewendet, aber die Möglichkeiten sind da - dazu bedarf es als Grundlage zuallererst einmal einer guten gestalterischen Anmutung.Diese zusätzlichen Optionen, die von der Werbeindustrie wahrgenommen werden können, müssen aber dem Publisher und Website-Betreiber entgolten werden, um ein Gleichgewicht herzustellen und einen einträglichen Anreiz, eben diese Werbeform auf seinem Portal zu implementieren. Andernfalls ist dies für ihn oft nachteilig, da Imagewerbung deutlich auffälliger ist, mehr ablenkt und Blicke auf sich zieht. Dieser für den Werbetreibenden natürlich gewünschte Effekt bedeutet für den Publisher eine Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne des Users für den eigenen Content bzw. für andere Werbebotschaften. Womit durch so einen Trade-Off potenziell eine Verminderung seines sonstigen Einkommens aus der Website einhergeht, denn die Zeit, die der User dort verbringt, ist begrenzt.Wird in Klicks abgerechnet, so erhält der Werbetreibende einen Freifahrtschein auf Kosten des Publishers, denn er kann größtenteils kostenlose visuelle Werbung mit hohem Impact machen. Das Marketingrisiko ist in diesem Fall ungünstig verteilt. Eine Abrechnung von grafischer Werbung ausschließlich in CPM (Impessions) statt CPC (Klicks) oder gar CPL (Leads) wäre daher nur konsequent, denn CPM sorgt durch die Verlagerung des Marketingrisikos hin zum Werbenden für ein Gleichgewicht von Kosten und Nutzen zwischen den Werbepartnern. Das ist insofern wichtig, als dass für einen professionellen Website-Betreiber nun der Stimulus hergestellt ist, bei Adsense statt der Textanzeigen auch grafische Werbung zuzulassen. Offenbar werden von Google aber Text- und Imagewerbung auf einen Haufen geschmissen und in beliebigen Abrechnungsformen in einer Auktion munter gegeneinander antreten gelassen. Dieses Vorgehen halte ich für falsch. Richtig wäre: Unterschiedliche Werbepotenziale, unterschiedliche Abrechnungsformen, zwei separate Werbeprogramme.Soviel zur Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass etliche Grafikbanner, die von den Werbetreibenden über Adsense geschaltet werden, immer noch die grottenschlechte Qualität wie vor Jahren haben. Teilweise so lachhaft, dass man sich als Plattformbetreiber wirklich schämen muss, denn Werbung wird natürlich immer auch als Bestandteil der eigenen Webpräsenz gesehen. Es wird ganz deutlich, dass viele Werbetreibende den Billigheimer machen und ihre - im Übrigen häufig dazu passenden fragwürdigen - Angebote auf diese Art und Weise unters Volk bringen wollen. Ohne Rücksicht auf stilistisches Niveau und optische Mindestanforderungen wird hier absolute Amateurklasse geboten. Selber schnell dilletantisch hingepfuscht sehen die Banner dann auch genau so aus. Das ist allenfalls abschreckend. Positiv darauf reagieren werden höchstens diejenigen, die absolut keine Ansprüche und keinen Sinn für grafische Gestaltung haben. Bei allen anderen Website-Besuchern werden die Augen geradezu beleidigt.Wer kommt auf die Idee, solcherlei Werbung zu machen? Wissen die besagten Werbetreibenden eigentlich, was sie da tun? Was bezweckt man damit, keinen Grafiker zu beauftragen, der sich damit auskennt? Mir fällt dazu nur ein: Was nix kost, ist auch nix. Hier will man nur billige Klicks absahnen und sonst nichts. Die eigene Marke, das eigene Image scheint völlig egal zu sein.Man muss dazu natürlich auch anmerken, dass es nicht umsonst gerade die Google-Infrastruktur ist, auf der sich so ein Portfolio versammelt. Vielleicht ist es marketingtechnisch für das Renommee der Plattform als optionaler Anbieter von Grafikwerbung doch nicht so angebracht, wirklich jedem "Mom-and-Pop-Business" die Tore zu öffnen. Zudem hätte man selbstverständlich längst ein viel größeres Repertoire an Gestaltungsmöglichkeiten anbieten müssen, zu denen beispielsweise auch neue innovative Formate gehören. Den Dilletantismus der Teilnehmer kann man damit freilich nicht beseitigen.Abgesehen davon geht es unter Nutzung der derzeitigen Möglichkeiten natürlich bei einigen Werbetreibenden - gerade bei den größeren, die aufs Markenimage achten - auch anders. Gute Ansätze sind ja vorhanden, man möchte als Publisher nur mehr davon auf seiner Website sehen. Aber es ist schon sehr erstaunlich, wie wenig gerade auch auf der Adsense-Plattform das an sich vorhandene Potenzial genutzt wird, mit einem Bannerformat auch mal einen wirklich guten, bleibenden Eindruck zu erzielen, ja Geschichten zu erzählen, Menschen zu begeistern. Mag etwas übertrieben klingen, aber es ist ja möglich, es wird nur viel zu selten professionell und kreativ angepackt. Statt dessen schalten immer mehr Besucher angewidert den Werbeblocker an. Mir scheint, Bannerwerbung im Web hinkt der sonstigen Entwicklung um Jahre hinterher bzw. verharrt irgendwo in 1998..

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