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Ich habe schon mal einen Beitrag geschrieben über das merkwürdige Mißverhältnis zwischen propagierten Online-Erlösquellen und den tatsächlichen Einnahmen, die dann doch fast immer nur in Gestalt von Offline-Produkten zustande kommen. Weitere Beispiele sind inzwischen hinzugekommen.Sascha Lobo, der uns gern von internetfernen Populärmedien als Netzexperte verkauft wird, hat ein neues Buch herausgebracht. Es wird von den halbwegs ernstzunehmenden Literaturkritiken, also außerhalb gebührenfinanzierter Propaganda, wahrscheinlich völlig zurecht verrissen. Trotz dieses Umstandes prophezeihe ich einen wirtschaftlichen Erfolg beim Abverkauf dieses Stückes aus der New-Economy-Zeit. Und zwar insbesondere in der Altersklasse U25 vom Typ Neon-Leser, die von den Geschehnissen damals altersbedingt nicht viel mitbekommen hat und die notwendige etwas ahnungslose Geilheit auf solche literarischen Ergüsse mitbringt. Und das obwohl es anscheinend nur ein minderwertiges Copycat einiger weitaus früher erschienener Bücher zum gleichen Thema ist. Aber dass diese Strategie sehr wohl aufgehen kann, kennt der man ja leider schon vom Fall Hegemann/Airen.Dieser Erfolg wird also nicht auf die Qualität des Autors sondern vielmehr auf ein geschicktes Marketingkonzept zurückzuführen sein, das mit seinen jüngeren Fans (Twitter-Follower, Blogleser usw.) über die einschlägigen Online-Kanäle kommuniziert, den monetären Erlös aber notgedrungen und ganz klassisch überwiegend durch das Holzmedium generiert. Neben ein paar E-Books kommen als weitere, zunehmend beliebtere Einnahmequelle dann die Lesungen vor Publikum an verschiedenen Orten hinzu. Der Netzapologet, der mit dem euphorischen "Wir nennen es Arbeit" vor einigen Jahren noch das Internet als den Informationsträger schlechthin mit den faszinierenden beruflichen Potenzialen abfeierte, setzt hier also wenn es um die tatsächlichen Geldbeträge geht mal wieder vornehmlich auf das alte gedruckte Buch, flankiert von der eigenen realen Offline-Präsenz.Vollkommen zu Recht, denn es geht nicht anders. Erstaunlich ist jedoch immer wieder diese Scheinheiligkeit, mit der uns auf der einen Seite die Großartigkeit des Netzes aufs Brot geschmiert wird und auf der anderen Seite die mickrigen direkten Verdienstmöglichkeiten weitgehend unerwähnt bleiben, würde man sich eben ausschließlich auf dieses Medium als Plattform für digitale Produkte verlassen.Print ist eben nicht abgeschrieben. Print lebt weiter, weil es keine wirkliche Alternative gibt, will man mit solcherlei Inhalten Geld verdienen. Das einzig Neuartige ist ja nur, dass man das Internet nun als effizientes Werbe- und Distributionsmedium nutzen kann, um die Sales des handfesten Informationsträgers ordentlich anzukurbeln und abzuwickeln. Und nebenbei die Auftritte der eigenen Person vor Ort zu promoten.Nächstes Beispiel: Musikindustrie. Audiodateien können weitgehend ungehindert beliebig reproduziert und konsumiert werden. Damit kann Musik also weder digitalisiert noch auf Tonträger in angemessenen Stückzahlen verkauft werden. Bis auf das proprietäre Itunes fallen spontan eigentlich kaum weitere Online-Plattformen ein, auf der Künstler wenigstens ein halbwegs vernünftiges Zubrot verdienen könnten. Der große Batzen der Musikereinnahmen - sofern durch die notwendige Bekanntheit überhaupt nennenswerte Beträge zustande kommen - generiert sich nicht aus Downloads, sondern aus Live-Auftritten bei Konzerten und Merchandising.Auch hier wieder das alte Spiel: Promotion und Versorgung der Fanbase über die einschlägigen Netzwerke, aber alles Finanzielle muss weitestgehend durch Produkte und Dienstleistungen im Offline-Bereich eingespielt werden. So kann das Internet lediglich als Vehikel, dafür aber eben auch sehr kostensparend, zum Rühren der Werbetrommel und zum Ticketverkauf genutzt werden.Heißt letztendlich: Sowohl im hiesigen Literatur- als auch im Musikbetrieb wird das Geld weiterhin in der Real World verdient. Im Rausch des Tweetens, Facebookens und Myspacens sollte das nur jedem mal klar werden. Dieser Hinweis nur, damit man sich in dem ganzen Internetkrams nicht verliert und nachher auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist..

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