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Vorhin mal wieder bei neon.de stehen geblieben. Wirklich gute, ambitionierte, amüsante, emotionale, von Herzen geschriebene Usertexte gibt es da - selbstverständlich onlineüblich kostenlos - zu lesen. Texte, bei denen ganz bestimmt einige Leser zusammenkommen würden, um dafür zu bezahlen - wenn sie denn müssten. Texte, die häufig besser sind, als das was man herkömmlich, z.B. in den entsprechenden Printmedien zu lesen bekommt. Weil die Verfasser absolut frei, selbstbestimmt und kompetent bei der Themenauswahl sind. Und weil man bei ihnen diesen dezenten Ansporn merkt, nicht nur für sich, sondern zum Wohlgefühl der Leser zu schreiben.Das Anerkennenswerte ist, dass dem Printmagazin Neon - genauso wie unter anderem dem Pendant Jetzt von der Süddeutschen - es hier gelungen ist, eine Online-Community zu formen, wo alles das nachhaltig funktioniert. Ein raffiniertes Anreizsystem aus gegenseitiger Qualitätskontrolle der User untereinander im Zusammenspiel mit der Redaktion. Und ein System, dass zum Teil beachtenswerte schriftstellerische Leistungen ausschließlich unentgeltlich belohnt.Im harten Business-Sprech könnte man auch sagen: Das AAL-Prinzip (Andere arbeiten lassen) wird in Perfektion ausgetragen. Ein unerschöpfliches Reservoir an kostenlosem hochwertigen User Generated Content, zur kommerziellen Vermarktung freigegeben. Mit nur einem wirtschaftlichen Profiteur: dem plattformbetreibenden Verlag. Die Partizipanten betreiben Selbstausbeutung, indem sie ihre Zeit auf einer fremden kommerziellen Plattform mit einer Tätigkeit verbringen, die unbedingt entlohnt werden sollte und könnte.Doch diese Feststellungen wären beinahe zu gehässig. Denn der Kern der Sache ist: Die User machen das alles ziemlich freiwillig. Solange Profilierung nicht in Geltungssucht und der Spaß am Schreiben nicht in Zwang oder Selbstaufgabe ausartet. Die jeweiligen Antriebe können verschieden sein. Die gefährlichen Formen spielen bei manch einem der Verfasser sicherlich auch eine Rolle, im Regelfall gilt jedoch: Die Leute praktizieren das einfach gerne, ein befriedigendes Hobby von jungen Menschen, Schülern und Studenten die anscheinend finanziell soweit abgesichert sind, dass sie sich das geben können.Denn über das für die meisten eh nicht realisierbare "sich einen Namen machen" hinaus bringen diese kommerziellen Plattformen den Teilnehmern keinen finanziellen Ertrag. Die Option für wirkliche geldwerte Anschlussaufträge aus dem Literaturbetrieb ist für einige vielleicht ein Motivator, wird für so gut wie alle aber ganz klar ein Wunschtraum bleiben.Bei einer alternativen Strategie mit einer Veröffentlichung ausschließlich auf seinem eigenen Blog bestünden für den jeweiligen Autor tendenziell bessere Chancen auf einen direkten Vermarktungserfolg, bspw. über Promotion und Werbeeinnahmen. Wenn nicht der Trade-off zwischen Ertragsmöglichkeiten und Reichweite wäre. Neon und Jetzt sind zu einer wichtigen, hochfrequentierten Anlaufstelle, einem Aggregator mit tausenden Beiträgen und einer Art Ausstellung des jungen Schriftstellertums mutiert. Einzelne private Blogs haben es dagegen schwer, von einer nennenswerten Leserschaft entdeckt zu werden.Was heißt das für die monetären Aspekte des Online-Publizierens, speziell für die anderen Blogger? Nichts Gutes. Denn die Beispiele Neon und Jetzt zeigen: Es gibt einen schier unbegrenzten Nachschub an Menschen, die bereit sind, ohne Bezahlung anderen Menschen einen Lesegenuss zu verschaffen. Die Plattform als Sammelstelle garantiert hohen Output über vielfältige Themenbereiche hinweg. Sicherlich überwiegen erwartungsgemäß die jugendbezogenen Lifestyle-Inhalte, aber auch harte Bereiche wie Politik und Wirtschaft sind durchaus vertreten.Es ist selten der - inzwischen auch offline immer weniger anzutreffende - knallhart recherchierte journalistische Newscontent. Dort besteht noch am ehesten ein Markt. Auf alle Fälle ist es aber ansprechende literarische Kost, die da von den sich gegenseitig hochpushenden Nutzern dargeboten wird. Dieser Teil des Publizierens scheint somit für an anderen Orten des Netzes geäußerte monetäre Bestrebungen vollkommen ausgeschlossen und ein für alle mal verloren. Verfassen von literarischen Texten für Geld? Unwahrscheinlich.

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