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Tuesday 08 June 2010 - 22:09 by Splitney

Einigen Lesern wird es vielleicht schon aufgefallen sein. Hier wird so manches aufgeschrieben, was für den ein oder anderen völlig selbstverständlich klingen mag. Während die genauere Betrachtung von Marktmechanismen in der Internetbranche zumindest für Leute außerhalb des Wirtschaftsfachs einige wissenswerte Fakten hervorzubringen vermag, muss man gewisse onlinespezifische Techniken und Abläufe doch einfach nicht mehr in der Form erklären, weil sie jeder kennt und jeder benutzt.Jeder? Genau das ist der Knackpunkt. Wenn ich (35) durch die unbekannteren Gefilde der Blogosphäre streife, sehe ich inzwischen naturgemäß besonders viele Autoren mit Jahrgang 80er/90er wie Pilze aus dem Boden schießen. Digital Natives, für die Social Networks und der Gebrauch von einschlägigen Tools und Gadgets vollkommen selbstverständlich sind und zum täglichen Leben gehört. Auf der anderen Seite erscheint mir vor allem beim Blick auf die Mainstream-Medien, die traditionellen Printerzeugnisse sowie auch teilweise im persönlichen Umfeld, dass sich die Menschen primär mit ganz anderen Dingen als dem Neuesten aus dem WWW beschäftigen. Nerdtalk, Gossip und Insider-Geschichten aus der Bloggerszene interessieren gar nicht oder allenfalls periphär.Twitter ist ein ganz gutes Beispiel: Hält man sich als Teilnehmer innerhalb des Nutzerkreises auf und wüsste man es nicht besser, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass hier mittlerweile jeder halbwegs onlineaffine Mensch anzutreffen ist. Ein eingeschweißter Freundes- und Kollegenkreis, der sich rege auf dieser Plattform austauscht. Blickt man jedoch auf die nüchterne Statistik oder fragt herum, so wird man feststellen, dass die meisten Leute dort nicht präsent sind und auch gar kein Interesse daran haben, sich mit derartigen Tools zu beschäftigen - was ich verstehen kann. Diesen Leuten fehlt auch nichts, sie sind glücklich und für sie sind andere Sachen wichtig, mit denen sie sich tagein tagaus beschäftigen.Mit Mitte 30 merkt man genau diesen Unterschied, man hat hier und da das kuriose Gefühl, dass man auf einem schmalen Pfad genau zwischen diesen zwei Welten entlang wandert. Mit Vertretern beider Lager hat man an für sich täglich zu tun.Ich weiß, dass man eigentlich keinem, der jünger ist als ich noch Facebook, Iphones oder Grafikkarten erklären muss. Ich weiß aber auch, dass viele, die älter sind, kaum irgendwelche direkten Erfahrungen damit haben. Was für den einen vollkommen tautologisch ist, ist für den anderen absolutes Neuland.
Das hängt nicht zwingend vom Alter ab. Senioren sind nicht dazu verdammt, keine Ahnung von moderner Technik zu haben. Und es gibt genauso junge Noobs wie alte Geeks. Es liegt meines Erachtens auch gar nicht so sehr an der Bildung oder am Einkommen. Es gibt prekäre Randexistenzen, die absolute Web-Experten sind, genauso wie intellektuelle "Internetausdrucker" in Chefposition, die sich mit dem ganzen Onlinekrempel nicht abgeben wollen.
Im Gesamten macht sich aber schon vieles daran fest, ob man mit der neuen Technik aufgewachsen und inwieweit man mit ihr durch tagtägliche Anwendung vertraut ist. Oder eben aufgrund einer unterschiedlichen Konstitution eher zögerlich bis desinteressiert ist und sich anderen Dingen des Lebens widmet. Ein zumindest statistischer Zusammenhang mit dem Lebensalter ist hier nicht zu bestreiten.Eine wichtige Grundlage ist sicherlich die natürliche Neugierde, eine Wissbegierde nach dem, was sich aktuell so bewegt. Um sich ein Urteil zu erlauben, ist eine gewisse Aufgeschlossenheit unabdingbar. Man sollte sich selbstverständlich bis zu einem bestimmten Grad mit der Materie befasst und mit den diversen Optionen zumindest bekannt gemacht haben. Denen, die das nicht tun, kann man das zum Teil durchaus vorwerfen. Die Gründe können unterschiedlich sein: Faulheit, Lethargie, Überforderung, Misstrauen, Angst. Auch hapert es gewiss an einer gesellschaftlichen Aufklärung, Stichwort Medienkompetenz.
Durch Ausprobieren sind jedenfalls die größten Gegner von technischen Innovationen schon zu deren größten Sympathisanten geworden. Andererseits kann sich dadurch auch erst eine kritische Abgeklärtheit entwickeln mit der Erkenntnis, dass vieles, was als Neuerscheinung daherkommt, schon mal da war, dass man vieles nicht braucht und dass viele dieser Sachen reine Zeitfresser sind, die verhindern, sich um wichtigere Angelegenheiten zu kümmern.Es macht den Anschein, als ob die meisten Menschen über eine digitale Spaltung der Gesellschaft gar nicht nachdenken. Auch, weil das soziale Umfeld, in dem sie sich bewegen, sehr ähnlich tickt wie sie selbst. Man nimmt dann einfach je nach dem die eine oder die andere Grundeinstellung für sich als gegeben hin. Manche Leute bewegen sich nur in ihrem beschränkten Mikrokosmos und realisieren die Probleme und Belange der restlichen Welt gar nicht. Die Überraschung ist groß, wenn man beizeiten feststellt, dass es Menschen gibt, die eine komplett andere Einstellung und Wertung den digitalen Lebensaspekten gegenüber haben.
So mokiert man sich beispielsweise über Journalisten der Printbranche, die angeblich das Internet nicht verstanden haben - nur weil diese schreiben, dass ihnen das alles zu schnell geht und den eigentlich verständlichen Wunsch äußern, dass sie auch mal gerne ihre Ruhe hätten vor dem ganzen technischen Krimskrams. Die andere Seite wiederum reibt sich verwundert die Augen angesichts des sonderbaren Lifestyles von Power-Usern, Gadget-Fanboys und Hardcore-Gamern.Wollte man tatsächlich eine Altersgrenze ziehen, so verläuft der digitale Graben Pi mal Daumen und mit vielen Ausreißern besonders nach oben hin in etwa entlang der heute um die Mitte 40jährigen. Das ist die Generation, die nicht schon seit ihrer frühen Jugend den Homecomputer oder die Spielekonsole zu Hause stehen hatte. Auffällig ist, dass gerade Menschen in diesem Alter, viele davon aus der einschlägigen Bloggerszene, besonders lauthals die Vorteile des digitalen Lebens anpreisen. Das könnte dadurch bedingt sein, dass ab dieser Altersgruppe die Zahl der "Verweigerer" noch/schon eine Mehrheit darstellt. Und dass die Onlineaffinen sich angesichts dieser Ausgangslage genötigt sehen, sich durch besonders deutliches Kundtun ihrer so gesehen moderneren Einstellung Gehör bei den vielen Skeptikern ihrer Generation zu verschaffen. Leute, mit denen sie sich evtl. tagtäglich auseinanderzusetzen haben.
Interessant daran auch, dass diese fourty-somethings als selbsternannte Webexperten aufgrund ihrer oftmals ausgeprägten computerlosen Vergangenheit gerade selber nicht zu den erfahrensten Usern gehören - obwohl sie selbst das gerne anders sehen. Als Digital Immigrants tun sie sich nämlich schwer mit der kritischen Reflexion insbesondere der vergangenen 15 Jahre - genau so wie die ganz Jungen. Ebenso lächerlich mag dann nämlich genau solch eine besserwisserische Verhaltensweise dem ein oder anderen konservativer Gesinnten gleichen Alters erscheinen, der eher mit ablehnendem Unverständis auf die seiner Auffassung nach Berufsjugendlichen reagiert. Die digitalen Grabenkämpfe in der Alterskategorie 40+, mit in etwa gleicher Mannstärke über die klassischen sowie digitalen Medien ausgetragen, sind nicht umsonst die erbittertsten.Alles in allem darf man einfach die gesellschaftliche und demografische Konstellation, in der wir uns befinden, nicht übersehen. Man muss einfach mal über den Tellerrand hinaus in die Welt schauen. Dabei wird der ein oder andere dann feststellen, dass es Lebensentwürfe gibt, die vollkommen anders geartet sind als die eigenen - mit ebenso guten Argumenten für und gegen die neuen Errungenschaften des Online-Zeitalters.Eine wichtige Erkenntnis ist, dass keinesfalls immer mangelnde Neugier oder Verweigerung dahinter steckt. Es gibt ganz unterschiedliche Beweggründe für eine eher reservierte Haltung. Manchmal verhält es sich nämlich bei denjenigen, denen mangelnde Sachkenntnis und Ignoranz vorgeworfen wird, genau umgekehrt: eine Abgeklärtheit und das souveräne Wissen, nicht auf jeden Zug aufspringen zu müssen. Sie haben im besten Fall innerhalb der Onlinewelt durch Erfahrung genau die kritische Distanz aufgebaut, die den Enthusiasten abhanden gekommen ist.Auch wenn die überwiegende Zahl der Blogleser naturgemäß eher eine progressive Auffassung vertritt, so ist es definitiv interessant, auch diejenigen zu erreichen, die sich abseits der einschlägigen Internetszene positionieren. Nicht die Erzkonservativen und Komplettverweigerer, sondern diejenigen, die das Onlinegeschehen aus einer differenzierten Perspektive bewerten. Man sollte einfach den Blickwinkel der jeweils Anderen respektieren.Abschließend: Man muss nicht überall dabei sein, um mitreden zu können. Der Beobachter hat oftmals mehr Ahnung als der Partizipant. Der digitale Graben ist nicht der, der Teilnehmer von Außenstehenden trennt, sondern Wissende von Unwissenden.

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