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Viele Blogger scheinen geprägt von einer gewissen "gib mir Geld"-Haltung. Nach dem Motto "an meinem Wesen soll die Welt genesen" überschätzen sie ihr mehr oder weniger regelmäßiges schriftstellerisches Schaffen auf ihrem Blog und fordern irgendeine Art von Entlohnung. Für was, darf man da fragen - und auch von wem.Man beachte zuerst mal den Bildungshintergrund dieser Leute. Auffallend viele Akademiker sind dabei. Auffallend häufig aus wirtschaftsfernen geisteswissenschaftlichen oder künstlerischen Fachrichtungen. Der Grundsatz "um finanziell erfolgreich zu sein muss man wie ein Unternehmer denken" wird zwar schon irgendwie verstanden, aber weder wirklich verinnerlicht noch praktiziert. Zu groß ist die Ablehnung jeglichem Kommerziellen gegenüber. Werbung ist igitt, man fühlt sich elitär, rühmt sich des Adblockers. Ein PR-mäßiges Ranschleimen an sowas wie Kunden zwecks Generierung von monetären Zuflüssen geht gar nicht. Das verletzt die Würde, beleidigt den guten Geschmack, ist nicht authentisch, ja ekelerregend und schmierig.
Um eines klarzustellen: Ich kann diese Haltung nachvollziehen. Nicht jeder ist ein geborener Verkäufer und man kann als aufgeklärter Konsument durchaus eine ausgewachsene Allergie gegen Verkaufstechniken und Werbeblabla jeglicher Art entwickeln, die in strikter und universeller Abneigung endet. Und schließlich handelt es sich um das eigene Blog, es spiegelt die individuelle Persönlichkeit wieder. Dort, wo man selber Herrscher ist, sollten nach Möglichkeit störende werblich geprägte Einflüsse nichts zu suchen haben.Allerdings gehen diese Kommerzablehner einen Schritt weiter, denn sie wollen beides: Das machen, was sie am liebsten tun und dabei noch Geld verdienen. Wenn das nicht klappt, wird lauthals über das scheiß System gemeckert. Und genau an diesem Punkt geht es zu weit.Eine Entlohnung kann als eine Art Entschädigung für das "Arbeitsleid" (diesen Ausdruck gibt es in der Wirtschaftslehre tatsächlich und ich finde ihn sehr passend) verstanden werden. Arbeitsleid als entgangener Nutzen aus einer Beschäftigung, die nicht das ist, was man zu diesem Zeitpunkt am liebsten machen würde. Eine Entschädigung kann monetär und nicht-monetär ausfallen. Für den Arbeitgeber kommt es natürlich darauf an, einen Beschäftigten zu gewinnen, der für die spezifische Tätigkeit möglichst wenig Widerstand entwickelt. Denn je mehr Mühe und Aufwand der Job mit sich bringt, auch je mehr sich verbiegen müssen und gegen den eigenen Antrieb oder moralische Grundsätze handeln damit verbunden ist, desto mehr Entschädigung ist im Prinzip nötig, um den Arbeitnehmer bei Laune zu halten. Umgekehrt: Macht einem die Arbeit wirklich Spaß und täte man die ganze Zeit nichts lieber als das, womit man sich gerade beschäftigt, müsste man rein theoretisch auch kein Geld als Anreiz bekommen, um diese Tätigkeit zu verrichten.Angestellte Verlagsjournalisten erhalten monatlich ein Gehalt. Aus Gründen: Sie sind als abhängig Beschäftigte eben nicht wirklich frei, sondern in vielfältiger Hinsicht an mehr oder weniger strikte Rahmenbedingungen und Maßgaben gebunden und außerdem ihren Vorgesetzten unterstellt.
Was manche Blogger aber fordern, ist für eine Arbeit, die sie gerne tun, die sie erfüllt, die sie sich selber ausgesucht haben, bei der sie sämtliche Freiheiten genießen, auch noch Geld zu bekommen. Was genauso anmaßend wie egoistisch ist, denn sie erachten ihr Tun als gewissermaßen so wichtig für die Menschheit, dass davon ausgegangen wird, dass selbstverständlich jemand bereit ist, ihr Schaffen finanziell auf welche Art auch immer zu unterstützen und sind beleidigt, wenn sie leer ausgehen.Doch was ist das Produkt bzw. die Dienstleistung? Beim Blog im besten Fall die redaktionelle Darbietung, Informationen, die den Leser weiterbringen, Lesegenuss. Der mag durchaus beim ein oder anderen interessierten Leser vorhanden sein, aber reicht das für eine Zahlungsbereitschaft? Eher nicht, denn machen wir uns nichts vor: Eine Geschichte mag in einer einzigartigen Weise verfasst sein - aber nur einen Mausklick weiter gibts was ganz Ähnliches in vergleichbarer Qualität geliefert. Machst du die Story nicht, machts ein anderer. Es gibt mittlerweile tausende von Quellen, die eine entsprechende Ware bereitwillig und kostenlos im Netz anbieten, sei es aus purem Enthusiasmus, aus Spaß an der Freude, gewichtigem Mitteilungsbedürfnis, persönlicher Involvierung, als Hobby, quersubventioniert, gesponsert, in öffentlichem Auftrag, whatever.Und Werbefinanzierung? Na Werbung lehnt der betreffende Autor ja sowieso ab, seine Leserschaft wird da ganz ähnlich konditioniert sein. Wieso sollte ein werbetreibendes Unternehmen in diesem feindseligen Umfeld auf die Idee kommen, das Blog zu unterstützen? Es gibt genügend andere Werbeflächen im Web. Und es gibt ganz bestimmt auch bessere Themen, die verkaufsfördernder sind.Manche der unzähligen Product Review Blogs wie z.B. "Styleblogs" oder auch "Gadgetblogs" versuchen hier den Mittelweg: In der Außendarstellung häufig rebellisch, artsy und trendy, alles was nach werblicher Kundengewinnung aussieht sogar vordergründig ablehnend, aber dennoch mehr oder weniger eindeutig verkaufsorientiert und gesponsert von Markenartiklern. Für kommerzkritische Menschen stellt sich die Zielgruppe solcher Websites als eine Ansammlung treudoofer Konsumentenschäfchen dar, eine homogene, manipulierbare, weitgehend willenlose Masse, die den inneren Widerspruch gar nicht mitbekommt. Die sich gut fühlt und gar nicht anders will, obwohl sie oft genug hintenrum buchstäblich für dumm verkauft wird.
Sicherlich eine der Strategien, um sich erfolgreich als Blog zu vermarkten. Für den ein oder anderen aber auch irgendwie verachtenswert. Unter journalistischen Qualitätsmaßstäben sowieso unteres Niveau, da Produktbesprechungen statt eigener Inhalte. Wer wirklich authentisch und moralisch integer sein will und in dieser Hinsicht einen gewissen ethischen Anspruch an sich und sein Blog hat, wird von solchen Dingen, von denen der Zeitschriftenmarkt ja mittlerweile komplett unterwandert scheint, auf jeden Fall auch im Internet Abstand nehmen.Man muss sich aber schon entscheiden: Lehnt man die ganze Kommerzkacke ab, darf man sich nicht beschweren, warum keiner Geld locker macht. Macht man mit, ist es schwer genug, aber zumindest möglich einige Euros zu verdienen. Beides haben wollen, ist einfach nur überheblich und anmaßend. Es ist einfach diese Haltung, dass man irgendein Anrecht auf Bezahlung für eine Leistung hätte, die in erster Linie gar nicht angefordert wurde und beileibe nicht die erforderliche Einzigartigkeit aufweist, die die Protagonisten selber ihr zusprechen. Und dass man die werbetreibenden Unternehmen und ihre Gefolgschaft im Grunde genommen verachtet, gerne aber die Hand aufhält um von denselben Unterstützung für die eigene Sache zu erfahren. Don't bite the hand that feeds you.

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