Random Articles

Böller verbieten by Splitney

...

Friday 16 November 2018 - 1. Knalltraumata durch ohrenbetäubenden Krach 2. G

Google Instant sucks! by Splitney

...

Saturday 11 September 2010 - This is so wrong in so many ways it's ridiculous.

Fitness-Youtuber und Roids by Splitney

...

Friday 16 February 2018 - Schon lange wollte ich etwas über dieses Thema sch

Die 10 größten Übernahmen der Web-Geschichte by Splitney

...

Monday 26 April 2010 - Ach ja damals.. da war erst ein Bruchteil der Leut

4:3 contra Breitbild bei Notebooks by Splitney

...

Sunday 21 March 2010 - Ich sitze hier an meinem Lenovo Thinkpad X61s, ein

Tuesday 13 April 2010 - 22:56 by Splitney

Über die Jahre hinweg habe ich mir eine stattliche Sammlung von Musikstücken im MP3 Format zugelegt, auf die ich durchaus stolz bin. Auf meiner Festplatte befindet sich ein Grundstock aus zu verschiedenen Zeiten präferierten Songs, teilweise echte Raritäten verschiedener Musikstile. Mal experimentell, auch mal populär, aber nie beliebig.
Viele haben eine solche Sammlung von Liedern, die ihnen in welcher Weise auch immer etwas bedeuten und damit Teil ihrer persönlichen Geschichte werden.Nun ist es ja im Zuge der allgemeinen Sharing-Kultur üblich, ganze Festplatteninhalte mit Musikdateien einfach im Handumdrehen mal auf einen weiteren Besitzer zu übertragen. Nicht nur privat, auch im halbprofessionellen Gebrauch und unter DJs, also bei Leuten, die ernsthaft über Jahre die Musikstücke teils mit Mühe ausgesucht und beschafft haben, wird häufig davon Gebrauch gemacht.
Warum ist das nicht zwangsläufig richtig? Ist doch schön, wenn man anderen Leuten mit seiner Musikauswahl eine Freude machen kann. Nun ja.. Hier mal eine theoretische Betrachtung (die rechtliche Seite lasse ich außen vor, da ich davon ausgehe, dass in dieser Hinsicht jeder weiß, was er tut):1) Eine eigene Musiksammlung spiegelt den spezifischen Geschmack und den Charakter des Besitzers wieder. Die Lieder sind Teil der Individualität und Spiegel der Persönlichkeit. Zeig mir, was du hörst und ich sag dir, wer du bist.
Mit der "Aneignung" einer Zusammenstellung von Songs kann sich ein unbedarfter "Erwerber" sozusagen mit fremden Federn schmücken. Es ergibt sich durch die Ergänzung seines Repertoires eine positive Abweichung von seinem ursprünglichen Hörverhalten. In der Außendarstellung wächst das Ansehen des Beschenkten in gewisser Weise auf Kosten des Schenkenden, der zumindest indirekt Nutzeneinbußen aufgrund der Weiterverbreitung seiner spezifischen Zusammenstellung erfährt. Durch das Sharen geschieht eine Art Verwässerung und Gleichmacherei der Persönlichkeitsprofile.2) Es ist festzustellen, dass meistens diejenigen Leute besonders scharf auf eine ansprechend zusammengestellte Musiksammlung sind, die selber keinen ausgeprägten Geschmack oder kein besonderes Interesse an diesem Hobby haben. Heißt meistens, dass die Übertragung eher einseitig abläuft. Kommt ein Tausch zustande, so stellt sich dieser auf Seiten des erfahreneren Sammlers eher schlechter dar, da er gibt, aber häufig nichts Adäquates im Gegenzug bekommt. Eine wohlwollende Geste dem Empfänger gegenüber also. Für den Partner mit dem ausgeprägteren, spezifischen Geschmack ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass seine Sammlung positiv ergänzt werden kann. Im Falle von Übertragung vieler Stücke aus seiner Sammlung kann das sehr wohl an Ausnutzung grenzen.3) Der leidenschaftliche Sammler hat auch immer eine gewisse Freude beim hobbymäßigen Diggen nach Musikstücken. Jedoch ist dies ebenso mit jahrelangem Aufwand verbunden, mit der Investition von Zeit und Geld. Beim Sharen handelt es sich in den meisten Fällen um eine Angelegenheit, die nicht monetär abgegolten wird. Es entsteht dem Sammler zwar kein direkter finanzieller Schaden - er behält ja seine Exemplare. Eine Aufwandsentschädigung für die Arbeit des Zusammenstellens und die Übertragung seiner Kreativität auf andere erhält er jedoch nicht. Auch das ist eine gewisse Ausnutzung der Ressourcen des Senders durch den Empfänger der Dateien.4) Wird der Empfänger wie beim Kopieren ganzer Festplatten vollkommen überhäuft mit neuen Tracks, ist das auch schlecht. Es treten gegenläufige, unerwünschte Effekte ein. Mit zunehmender Anzahl der kopierten Stücke sinkt die Wertschätzung gegenüber dem Einzelmaterial, die dem Geber überbracht werden kann. Der solchermaßen Beschenkte sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Oder wahlweise: Er kriegt den Hals nicht voll.Beispiel aus der Verhaltenspsychologie: Wenn ein Kind aus "falscher Liebe" mit Spielzeug überhäuft wird, verliert es nicht nur den Überblick, sondern wird einem einzelnen Spielzeug auch nicht mehr so viel Aufmerksamkeit entgegenbringen, als wenn man es nur ab und zu mit einem neuen Geschenk überraschen würde. Die Konsequenz wird mitunter sein, dass es die ganzen Spielzeuge einfach links liegen lässt oder immer mehr verlangt, da es daran gewöhnt wurde. Die Forderungen steigen, das Interesse und die Wertschätzung gegenüber dem einzelnen Objekt sinkt. Aus zunächst gut gemeinter Absicht entsteht Beliebigkeit, Gier und Teilnahmslosigkeit.Was ich damit sagen will: Nicht alles, was heutzutage so hoppladihopp geht, muss man auch ausschöpfen. Sich vorher mal Gedanken machen, ob es persönlich immer Sinn macht, alles Mögliche von sich Preis zu geben. Mit der Zusammenstellung einer guten Musiksammlung ist eine nicht unbeträchtliche Eigenleistung verbunden. Da darf man durchaus auch mal ein bisschen stolz und egoistisch sein. Nicht nur die evtl. anfallenden Erwerbskosten, sondern auch die intensive Auswahlarbeit teils über Jahre hinweg sind zu berücksichtigen.
Das Argument, dass man ja heutzutage eh alles Digitalisierbare immer und überall auf Abruf erhältlich hat und von daher eine Sammlung nichts mehr zählt, führt fehl. Bedingt durch die neuen Möglichkeiten des Internets kommt es mittlerweile nicht mehr so auf die Verfügbarkeit an, denn die ist in den meisten Fällen gewährleistet - und sei es, wenn man lange genug recherchiert. Einzelne, auch rare Tracks sind keine knappe Ressource mehr wie früher, als Musik an bestimmte Tonträger gebunden war.
Nein, die Auswahl macht den Unterschied, die Kompilation, der Geschmack. Dieser besitzt einen Wert. Trotz oder erst recht wegen Sharing. Wer das in Frage stellt, hat entweder keinen Geschmack oder stellt den Menschen generell als Individuum in Frage.Es spielt sich zwischenmenschlich etwas ab. Das sollte nicht die Aufopferung der eigenen Individualität für jemand anderes sein. Es ist selten Bösartigkeit, die beim anderen dahintersteckt, eher ein Begehren. Aber aus einer gut gemeinten Freundschaftsgeste kann auch schnell mal ein Ausnutzen werden. Je unterschiedlicher die Tauschpartner in ihren Möglichkeiten sind, gute Musik aufzuspüren, desto größer das Problem. Andersherum: Am besten klappt Sharen unter gleichgesinnten Partnern, deren Informationsstand, Interesse, Fähigkeiten, Musikgeschmack und Umfang der Sammlung möglichst nahe beieinander liegen. Aber auch dann sollte man es nicht übertreiben.Musik sharen? Als nette Aufmerksamkeit immer gerne, am besten sorgfältig und wohldosiert ausgesuchte Stücke, wie früher beim selbstgemachten Tape, das man für besondere Menschen aufgenommen hat. Dann ist die Freude auf beiden Seiten umso größer.

comment

Write a Comment

name

email (not displayed)

website (not required)

0.00 sec • © Coriola.com