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Cool sein oder Geld verdienen? by Splitney

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Tuesday 20 April 2010 - 00:34:28 - Viele Blogger scheinen geprägt von einer gewissen

Friday 30 April 2010 - 01:22:54 by Splitney

OK, wir gleiten also zusehends in eine weitere "gated community" ab - obwohl man doch in den letzten Jahren durch die allgemeine Akzeptanz von offenen Standards Anderes erwarten konnte. Facebook und Apple belegen auf ihre Art, dass bei einem entsprechend attraktiven Produkt viele User keinerlei Problem damit haben, sich freiwillig in die Abhängigkeiten des geschlossenen Systems eines Anbieters zu begeben. Die langfristigen Konsequenzen spielen im Mindset der meisten Leute keine Rolle.Unternehmerisch kann es sich selbstverständlich auszahlen, Konsumenten exklusiv an eine proprietäre Plattform zu binden. Die Voraussetzung ist natürlich, gute Produkte anzubieten, die mit geschicktem Marketing dann über die Fanbase weiterverbreitet werden.Facebook ist ein Tool. Eine Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Dieses Tool soll nun ernsthaft kommerzialisiert werden, um die erheblichen Summen, die von den Kapitalgebern mittlerweile investiert worden sind, wieder einzuspielen. Das Mittel der Wahl lautet wie immer Werbung. Mit Hilfe von technischen Implementationen (als neuester Clou der "Like-Button") wird durch möglichst genaue statistische Auswertung des Profils, des Verhaltens und der Verbindungen des Users eine zielgerichtete Versorgung desselben mit Werbung angestrebt.Das klingt irgendwie nach Google. Und in der Tat ist es das erklärte Ziel von Facebook, hier als Werbeplattform eine ernstzunehmende Konkurrenz aufzubauen und Google die Position an der Spitze streitig zu machen. Auch auf den Webseiten der Suchmaschine bzw. des angeschlossenen Content Networks werden Informationen über das Nutzungsverhalten gesammelt und dazu passende Werbung eingeblendet. Das klappt dort bekanntermaßen so gut, dass Google seit Jahren seine erklecklichen Einnahmen fast ausschließlich mit diesem einen Geschäftsfeld erzielt. Diese Erfolgsstory will Facebook nun nachahmen. Klappt das? Ich denke nicht.Zur Suchmaschine Google kommen die Leute und geben Keywords ein, weil sie Antworten auf ihre Fragen erhalten wollen. Das tun sie von sich aus, sie befinden sich im Aufnahmemodus, recherchieren und fragen aktiv Informationen über Produkte und Dienstleistungen nach.
Facebook hingegen dient als Soziales Netzwerk vielen Millionen Nutzern als Profilierungs-, Kommunikations- und Unterhaltungsmedium. Was sie jedoch nach dem Einloggen eher nicht bewusst tun, ist freiwillig werberelevante Informationen abzufragen. Was auch nicht die Bestimmung einer solchen Plattform ist. Der User ist mit Briefchen tippen, Profilen stöbern, Kommentaren schreiben oder Farmville spielen beschäftigt. Er befindet sich nicht in dem erforderlichen Aktivitätsmodus, der es erlauben würde, dass er auf Werbung positiv reagiert und möchte seine Unterhaltung nicht durch unaufgeforderte Fremdeinflüsse gestört wissen.Werbung auf sozialen Plattformen muss anders aussehen. Sie kann sich aufgrund der Begleitumstände nicht mehr an der klassischen Sender-Empfänger-Theorie orientieren. Werbung dort muss adaptieren, involvieren und darf sich dabei keinesfalls aufdrängen. Um die notwendige Relevanz herzustellen, reicht es nicht, nur potenziell interessant zu sein. Dem User muss eben auch zum richtigen Zeitpunkt begegnet werden, idealerweise dann, wenn er es will. Das Schlimmste ist, wenn während eines persönlichen Austauschs jemand eine Werbetafel zwischen die Teilnehmer hält. Ansätze, wie man vernünftig und glaubhaft mit Usern in Kontakt tritt, haben einige Firmen ja durchaus schon gezeigt. Dafür muss sich ein kommerzieller Anbieter in erster Linie an die Gepflogenheiten und das Kommunikationsverhalten der Community anpassen, um nicht als Störenfried zu gelten. Bei Nichtbeachtung reicht die Abstrafung von Ignoranz bis Verabscheuung.Diese Spielregeln scheinen allerdings nicht so wirklich zu dem zu passen, was Facebook heute an zahlungspflichtigen Werbemöglichkeiten vorsieht. So jammern Firmen weiterhin über ultraniedrige Aufmerksamkeitsraten und die unterirdische Performance für ihre Produkte. Das alles ist wie gesagt kein Wunder - es ist seit Jahren wissenschaftlich und praktisch erwiesen, dass herkömmliche Werbung in Social Networks nicht funktioniert. Im derzeit noch andauernden Hype, der um Facebook gemacht wird, werden noch viele Werbetreibende ihr Glück versuchen. Doch wenn sich genügend Akteure die Finger verbrannt haben, wird auch der Letzte merken, dass Facebook eben nicht Google ist. Verlässt man sich also ausschließlich auf dieses Konzept der Monetarisierung, ist für alle Seiten mehr als fraglich, ob bis dahin genug Geld verdient wurde.Das soll unsere Sorge nicht sein. Aber man muss die Werbeformen schon mit den Erfordernissen der jeweiligen Plattform weiterentwickeln - sonst geht's über kurz oder lang in die Hose.

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Wednesday 28 April 2010 - 03:40:10 by Splitney

Die Plattform existiert seit 2003 - zuerst unter den Domains dancefloorcharts.de (Charts für elektronische Musik), dancefloorguide.de (Disco und Club Guide) und dancefloorstars.de (Party und Event Guide). Dabei wurden sämtliche Metropolregionen Deutschlands abgedeckt.
In Spitzenzeiten versorgte das selbst programmierte Webangebot 200.000 Unique Visitors monatlich mit über 2000 Special Events. Ein großer Teil wurde aus zugesendetem Material redaktionell bearbeitet in die Datenbank eingestellt, ein kleinerer Teil von den Usern direkt submittet.
Finanziell lohnte sich das Projekt vor allem in der Zeit von 2005 bis 2008 nach Einführung von Google Adsense und durch eigenen Bannerverkauf.
Mit zunehmender Anzahl von Konkurrenten wie z.B. diversen Communities, Onlineplattformen einiger Printverlage und später mit Entstehung der großen Social Networks wurde es schließlich unpraktikabel, die Websites weiterhin full-time eigenhändig zu betreuen.
So entschloss ich mich ab 2009 für einen kompletten Relaunch des Partyguides mit neuer Benutzeroberfläche und Datenbank sowie ausschließlich User Generated Content. Die Zahlen aus der Vorzeit sind nicht mehr erreichbar, aber die Plattform läuft seitdem komplett eigenständig und wird von Veranstaltern und Partygängern weiterhin genutzt.
Alles in allem habe ich unglaublich viel Erfahrung besonders im Bereich Programmierung, Redaktion und Vermarktung sammeln können und bin dankbar für die tolle Zeit.

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Monday 26 April 2010 - 02:56:55 by Splitney

Ach ja damals.. da war erst ein Bruchteil der Leute von heute im Netz. Viele hatten buchstäblich noch keinen Zugang - technisch bedingt oder mangels Interesse, andere waren noch zu jung. Auch ich habe den ganzen Hype eher nur am Rande und mit 56K Modem und Pentium II mitbekommen.
Die Bedingungen haben sich seitdem geändert - die Gründe, warum Webprojekte scheitern jedoch nur teilweise und die allgemeine Bereitschaft zum Hochjubeln von neuen Services eigentlich gar nicht. Genau in diesem Punkt wiederholt sich die Geschichte immer aufs neue.
Klar, die Größenordnungen, mit denen heute frisches Kapital verbrannt wird, sind nicht mehr ganz mit denen der New Economy vergleichbar. Damals wurde besonders gerne aus dem jeweils völlig inflationierten Aktienbestand bezahlt.Beim Zusammenstellen der Liste mit Akquisitionen von Internetportalen wurde klar: Man hätte fast ebenso gut als Überschrift "Die 10 Größten Desaster der Web-Geschichte" nehmen können. Das ist in Sachen M&A gerade in Bezug auf die Internetbranche mehr als aufschlussreich - hier in aufsteigender Reihenfolge:10. Für 1,65 Milliarden Dollar kauft Google im Oktober 2006 YouTube. Teurer Image-Gewinn für Google, ein Investment ohne dass die Zukunft der Videoplattform rechtlich wie wirtschaftlich im Klaren ist.09. IAC kauft Ask Jeeves im März 2005 für 1,85 Milliarden Dollar. Es folgt die Umbenennung in Ask.com. Egal, wenig Nachfrage nach dieser Plattform.08. Yahoo kauft im Mai 1999 GeoCities, ein heute nicht mehr existentes Social Network für schlappe 3,57 Milliarden Dollar.07. Im Juli 2000 der undurchsichtige Zusammenschluss von InfoSpace und Go2Net - zweier Gemischtwarenläden für "Content Delivery" - durch Aktientausch im aufgeblähten Marktwert von rund 4 Milliarden Dollar. Ein Scheitern mit nichts als heißer Luft und grandioser Kapitalvernichtung.06. AOL kauft Netscape - ja, die mit dem ollen Browser verkaufen sich im November 1998 an AOL für geschmeidige 4,2 Milliarden Dollar.05. This is true: Yahoo reißt sich im Juli 1999 eine Firma namens Broadcast.com für unwirkliche 5,7 Milliarden Dollar unter den Nagel. Empfindlich teure Domain. Eine Akquise, die sich letztendlich als Redirect auf die Yahoo-Homepage in Luft auflöst. Verkäufer Mark Cuban und Kollege gehen als Milliardäre aus dem Deal heraus.04. Excite, ein heute vergessenes Internetportal, das mittlerweile auch schon durch viele Hände gegangen ist, wird im Januar 1999 vom ISP @Home gekauft. Seitdem nannten sie sich Excite@Home. Die amtliche Pleite im Oktober 2001 markierte das Ende. Pure Ironie für schlanke 6,7 Milliarden Dollar Kaufpreis.03. E-Healthcare: Im November 1999 im heftigsten Bubble-Gestöber schließt sich ein Konglomerat um die Firmen WebMD und Healtheon zusammen. Die Transaktion umfasst ein Volumen von 7,9 Milliarden Dollar in Aktien. Es handelte sich hierbei nüchtern betrachtet um nicht viel mehr als ein paar Websites über Gesundheitsthemen.02. Der Dotcom Classic: Lycos geht im Mai 2000 an Terra Networks für absolut unglaubliche 12,5 Milliarden Dollar über den Tisch. Wir alle wissen, was aus dem Portal mit dem Labrador-Maskottchen geworden ist - R.I.P.01. And the winner is.. Der zweitgrößte Zusammenschluss zweier Unternehmen überhaupt in der Geschichte: AOL und TimeWarner wollen im Januar 2001 die Medienfusion von New und Old Economy zu Wege bringen und stellen damit alles andere um Längen in den Schatten. AOL war zum Höhepunkt der Internetblase mit 160 Milliarden Dollar bewertet und bis zur endgültigen Trennung vor Kurzem ohne jeglichen Erfolg durchgeschleppt worden. Insgesamt wurden mehr als 300 Milliarden Dollar Aktionärskapital durch die Fusion vernichtet. That sucks.Traurige Kapitel der Internet-Story. Keines der Unternehmen konnte auch nur annähernd soviel ROI erzielen, dass die Kosten der M&A irgendwann mal gerechtfertigt wären. Auch dass es mit AOL und Yahoo immer noch diese zwei Loser-Firmen ohne USP gibt. Mächtig viel Kapital verbrannt und immer weiter Anleger beschissen. Trotzdem noch unter uns. Yahoo war sogar noch so arrogant/blöd, ein über-lukratives Übernahmeangebot von Microsoft auszuschlagen.Die bisher einzigen, die einen stattlichen Gewinn realisieren konnten, sind News Corp nach der Übernahme von MySpace. Das Social Network wurde von Rupert Murdoch für 580 Millionen Dollar gekauft und anschließend ein Deal mit Google herausgeschunden. Gegen eine garantierte Zusage von 900 Millionen Dollar durfte Google eine Suchbox und Adsense Anzeigen auf den Myspace Webpages einblenden. Das ist natürlich komplett in die Hose gegangen, denn Werbeerlöse aus Textanzeigen und Bannern gerade auf Social Networks sind bekanntermaßen vergleichsweise marginal. Google sah sich offenbar genötigt, die Performance für teuer Geld einem solchen Praxistest zu unterziehen. Ein unglaublicher Fehler - aber Google ist nun mal auch eine Firma, die im laufenden Betrieb satte Gewinne macht und sich tatsächlich so einen kostspieligen Fehltritt leisten kann.Wann ist überhaupt eine Plattform für den Erwerber profitabel in dem Sinne, dass sie die Akquisitionskosten wieder einspielt? Nur wenn der Preis stimmt. Mehrere Milliarden für eine Website ausgeben ist ziemlich schwachsinnig.

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Wednesday 21 April 2010 - 15:11:06 by Splitney

Vor 11 Jahren kaufte ich einen BMW, ein "Mobility-Service" (oder wie auch immer die das nannten) war inbegriffen. Damals war ich bereits im ADAC und spielte mit dem Gedanken, dort - zumindest für die Dauer der Gültigkeit dieser Herstellergarantie - auszutreten, denn im Fall einer Panne konnte ich den mobilen Werkstattdienst von BMW kostenlos in Anspruch nehmen. Was ich dann auch tat, als es so weit war. Ich erinnere mich noch an den dicken Aufkleber im Kofferraumdeckel mit der Telefonhotline. Dass man im Pannenfall auch bloß nicht auf die Idee kommt beim ADAC anzurufen, sondern immer schön beim BMW-Service.Es stellt sich natürlich schon die Frage, welchen Sinn unter diesen Umständen die ADAC Pannenstatistik als eine der wichtigsten Entscheidungshilfen für deutsche Verbraucher beim Fahrzeugkauf und PR-Standardwerk für die automobile Werbewirtschaft mit ihrer Hitliste der zuverlässigsten Autos macht. Einige - besonders die deutschen - Hersteller bieten seit Jahren ihren eigenen Pannenservice an - bei Neuwagen inklusive, aber auch beliebig verlängerbar für Gebrauchtfahrzeuge. Und falls ich so einen Service habe, nehme ich den natürlich auch in Anspruch. Die Ergebnisse des ADAC, die auf der prozentualen Inanspruchnahme seiner Dienstleistung im Vergleich zum Gesamtbestand des Fahrzeugmodells basieren, werden dadurch logischerweise stark verfälscht und somit insbesondere für neuere Fahrzeuge unbrauchbar.
Kein Wunder, dass z.B. der BMW X1 im letzten Jahr auf Platz eins in seiner Kategorie stand, wenn jeder Kunde im Pannenfall bei BMW statt beim ADAC anruft.
Es kommen auch noch diverse andere elementare Dinge hinzu, z.B. dass nicht berücksichtigt wird, wie viele Kilometer mit dem jeweiligen Modell im Vergleich zu anderen Modellen im Schnitt gefahren werden usw. Alles wirklich einfache und grundlegende Geschichten, bei denen es sich lohnen würde, mal einen investigativen Blick drüber zu werfen.Und was macht die Presse? Ich kann mich an keinen einzigen Artikel erinnern, in dem ich jemals auf diese Problematik hingewiesen worden wäre. Statt dessen ist seit längerem regelmäßig bei Erscheinen des jährlichen Reports eine Lobhudelei auf deutsche Automarken zu lesen: "Audi, BMW und Mercedes überholen die Japaner in der Zuverlässigkeit". Ach nee, gerade deutsche Hersteller bieten diese Mobility-Services seit Jahren offensiv für ihre Modelle an. Wer weiß, wo die ansonsten in der Tabelle stehen würden..Ehrlich, selbst einem Journalisten, der keine Ahnung von Statistik hat, müsste doch über die Jahre mal aufgefallen sein, dass da was nicht ganz stimmen kann. Und sei es aus seiner privaten Erfahrung heraus. OK, ich habe selber schon an meinem gesunden Menschenverstand gezweifelt, der Sachverhalt ist ja auch einfach zu offensichtlich, um nicht von irgendjemandem aus den Medien mal bemerkt und aufgegriffen worden zu sein, nicht wahr? Es gab auch nie einen Leserbrief in der hauseigenen ADAC Motorwelt zu diesem Thema - warum nur?
Jedenfalls habe ich erstmals gestern - nach 11 Jahren - einen kritischen Artikel dazu bei Zeit Online gelesen - und selbst der spielt die Auswirkung der Mobilitätsgarantien auf die Statistik noch herunter.Ja ist denn die ganze deutsche Presselandschaft gleichgeschaltet? Diese Geschichte ist doch jetzt wirklich nicht schwierig zu durchschauen. It's no rocket science. Trotzdem versagen alle Medien durch die Bank. Millionen von Autokäufern werden hinters Licht geführt. Das ist doch wohl wirklich mal ein Thema, oder etwa nicht? Wie lange will man mit solchen Meldungen warten? Bis auch der letzte Verbraucher sich selbst aufgeklärt hat und sagt: "Och, das ist doch allgemein bekannt"? Statt den "Skandal" aufzudecken, wird beeinflusst und abhängig von den Werbegeldern der Autoindustrie lieber gutgläubige dummdreiste Propaganda für deutsche Hersteller betrieben. Genau diese Desinformationskampagnen sind es, die einen nicht mehr dem herkömmlichen Medienapparat über den Weg trauen lassen. Ich glaube, unabhängige Blogs und Foren können und werden solche Sachen viel eher mal zum Thema machen.Bis dahin gilt natürlich wie immer: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

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Tuesday 20 April 2010 - 00:34:28 by Splitney

Viele Blogger scheinen geprägt von einer gewissen "gib mir Geld"-Haltung. Nach dem Motto "an meinem Wesen soll die Welt genesen" überschätzen sie ihr mehr oder weniger regelmäßiges schriftstellerisches Schaffen auf ihrem Blog und fordern irgendeine Art von Entlohnung. Für was, darf man da fragen - und auch von wem.Man beachte zuerst mal den Bildungshintergrund dieser Leute. Auffallend viele Akademiker sind dabei. Auffallend häufig aus wirtschaftsfernen geisteswissenschaftlichen oder künstlerischen Fachrichtungen. Der Grundsatz "um finanziell erfolgreich zu sein muss man wie ein Unternehmer denken" wird zwar schon irgendwie verstanden, aber weder wirklich verinnerlicht noch praktiziert. Zu groß ist die Ablehnung jeglichem Kommerziellen gegenüber. Werbung ist igitt, man fühlt sich elitär, rühmt sich des Adblockers. Ein PR-mäßiges Ranschleimen an sowas wie Kunden zwecks Generierung von monetären Zuflüssen geht gar nicht. Das verletzt die Würde, beleidigt den guten Geschmack, ist nicht authentisch, ja ekelerregend und schmierig.
Um eines klarzustellen: Ich kann diese Haltung nachvollziehen. Nicht jeder ist ein geborener Verkäufer und man kann als aufgeklärter Konsument durchaus eine ausgewachsene Allergie gegen Verkaufstechniken und Werbeblabla jeglicher Art entwickeln, die in strikter und universeller Abneigung endet. Und schließlich handelt es sich um das eigene Blog, es spiegelt die individuelle Persönlichkeit wieder. Dort, wo man selber Herrscher ist, sollten nach Möglichkeit störende werblich geprägte Einflüsse nichts zu suchen haben.Allerdings gehen diese Kommerzablehner einen Schritt weiter, denn sie wollen beides: Das machen, was sie am liebsten tun und dabei noch Geld verdienen. Wenn das nicht klappt, wird lauthals über das scheiß System gemeckert. Und genau an diesem Punkt geht es zu weit.Eine Entlohnung kann als eine Art Entschädigung für das "Arbeitsleid" (diesen Ausdruck gibt es in der Wirtschaftslehre tatsächlich und ich finde ihn sehr passend) verstanden werden. Arbeitsleid als entgangener Nutzen aus einer Beschäftigung, die nicht das ist, was man zu diesem Zeitpunkt am liebsten machen würde. Eine Entschädigung kann monetär und nicht-monetär ausfallen. Für den Arbeitgeber kommt es natürlich darauf an, einen Beschäftigten zu gewinnen, der für die spezifische Tätigkeit möglichst wenig Widerstand entwickelt. Denn je mehr Mühe und Aufwand der Job mit sich bringt, auch je mehr sich verbiegen müssen und gegen den eigenen Antrieb oder moralische Grundsätze handeln damit verbunden ist, desto mehr Entschädigung ist im Prinzip nötig, um den Arbeitnehmer bei Laune zu halten. Umgekehrt: Macht einem die Arbeit wirklich Spaß und täte man die ganze Zeit nichts lieber als das, womit man sich gerade beschäftigt, müsste man rein theoretisch auch kein Geld als Anreiz bekommen, um diese Tätigkeit zu verrichten.Angestellte Verlagsjournalisten erhalten monatlich ein Gehalt. Aus Gründen: Sie sind als abhängig Beschäftigte eben nicht wirklich frei, sondern in vielfältiger Hinsicht an mehr oder weniger strikte Rahmenbedingungen und Maßgaben gebunden und außerdem ihren Vorgesetzten unterstellt.
Was manche Blogger aber fordern, ist für eine Arbeit, die sie gerne tun, die sie erfüllt, die sie sich selber ausgesucht haben, bei der sie sämtliche Freiheiten genießen, auch noch Geld zu bekommen. Was genauso anmaßend wie egoistisch ist, denn sie erachten ihr Tun als gewissermaßen so wichtig für die Menschheit, dass davon ausgegangen wird, dass selbstverständlich jemand bereit ist, ihr Schaffen finanziell auf welche Art auch immer zu unterstützen und sind beleidigt, wenn sie leer ausgehen.Doch was ist das Produkt bzw. die Dienstleistung? Beim Blog im besten Fall die redaktionelle Darbietung, Informationen, die den Leser weiterbringen, Lesegenuss. Der mag durchaus beim ein oder anderen interessierten Leser vorhanden sein, aber reicht das für eine Zahlungsbereitschaft? Eher nicht, denn machen wir uns nichts vor: Eine Geschichte mag in einer einzigartigen Weise verfasst sein - aber nur einen Mausklick weiter gibts was ganz Ähnliches in vergleichbarer Qualität geliefert. Machst du die Story nicht, machts ein anderer. Es gibt mittlerweile tausende von Quellen, die eine entsprechende Ware bereitwillig und kostenlos im Netz anbieten, sei es aus purem Enthusiasmus, aus Spaß an der Freude, gewichtigem Mitteilungsbedürfnis, persönlicher Involvierung, als Hobby, quersubventioniert, gesponsert, in öffentlichem Auftrag, whatever.Und Werbefinanzierung? Na Werbung lehnt der betreffende Autor ja sowieso ab, seine Leserschaft wird da ganz ähnlich konditioniert sein. Wieso sollte ein werbetreibendes Unternehmen in diesem feindseligen Umfeld auf die Idee kommen, das Blog zu unterstützen? Es gibt genügend andere Werbeflächen im Web. Und es gibt ganz bestimmt auch bessere Themen, die verkaufsfördernder sind.Manche der unzähligen Product Review Blogs wie z.B. "Styleblogs" oder auch "Gadgetblogs" versuchen hier den Mittelweg: In der Außendarstellung häufig rebellisch, artsy und trendy, alles was nach werblicher Kundengewinnung aussieht sogar vordergründig ablehnend, aber dennoch mehr oder weniger eindeutig verkaufsorientiert und gesponsert von Markenartiklern. Für kommerzkritische Menschen stellt sich die Zielgruppe solcher Websites als eine Ansammlung treudoofer Konsumentenschäfchen dar, eine homogene, manipulierbare, weitgehend willenlose Masse, die den inneren Widerspruch gar nicht mitbekommt. Die sich gut fühlt und gar nicht anders will, obwohl sie oft genug hintenrum buchstäblich für dumm verkauft wird.
Sicherlich eine der Strategien, um sich erfolgreich als Blog zu vermarkten. Für den ein oder anderen aber auch irgendwie verachtenswert. Unter journalistischen Qualitätsmaßstäben sowieso unteres Niveau, da Produktbesprechungen statt eigener Inhalte. Wer wirklich authentisch und moralisch integer sein will und in dieser Hinsicht einen gewissen ethischen Anspruch an sich und sein Blog hat, wird von solchen Dingen, von denen der Zeitschriftenmarkt ja mittlerweile komplett unterwandert scheint, auf jeden Fall auch im Internet Abstand nehmen.Man muss sich aber schon entscheiden: Lehnt man die ganze Kommerzkacke ab, darf man sich nicht beschweren, warum keiner Geld locker macht. Macht man mit, ist es schwer genug, aber zumindest möglich einige Euros zu verdienen. Beides haben wollen, ist einfach nur überheblich und anmaßend. Es ist einfach diese Haltung, dass man irgendein Anrecht auf Bezahlung für eine Leistung hätte, die in erster Linie gar nicht angefordert wurde und beileibe nicht die erforderliche Einzigartigkeit aufweist, die die Protagonisten selber ihr zusprechen. Und dass man die werbetreibenden Unternehmen und ihre Gefolgschaft im Grunde genommen verachtet, gerne aber die Hand aufhält um von denselben Unterstützung für die eigene Sache zu erfahren. Don't bite the hand that feeds you.

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