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Sunday 28 March 2010 - 05:26 by Splitney

Schön zu sehen, wenn einige Leute in der deutschen Bloglandschaft beweisen, dass man mit einem Blog so viel Geld verdienen kann, dass es zum Leben reicht.
Insbesondere der Content von "Styleblogs" scheint prinzipiell gut geeignet für eine werbliche Vermarktung zu sein. Unter den kommerziellen Blogs, die halbwegs profitabel laufen, sind Bereiche wie Fashion, Beauty, Celebs, Gadgets überdurchschnittlich stark vertreten. Klassische, teils boulevardesk daherkommende Lifestyle-Themen also, die auch schon in der Printpresse gut bei Werbetreibenden ankommen. Kein Wunder, bedienen sie doch mit ihrem Review-Charakter ziemlich gezielt die Absatzinteressen der entsprechenden Konsumgüterproduzenten.Wir finden im Internet jedoch einen Markt vor, der kaum Eintrittsbarrieren für Publisher beinhaltet. Aufgrund der somit erheblich verschäften Konkurrenzsituation im Zusammenspiel mit der weitgehenden Substituierbarkeit der Ware "News" ist es in den seltensten Fällen möglich, ein reines Content-Angebot mit einer Zutrittsgebühr durchzusetzen. Zudem werden einst lukrative Geschäftsbereiche wie Kleinanzeigen nun von anderen Plattformen effizienter betrieben. Somit wird der Vertrieb von Werbeflächen als Erlösquelle noch wichtiger aber auch viel unergiebiger als auf dem Printmarkt. Was vor allem für die eigentlichen Produzenten von Inhalten ungünstig ist, denn die haben die Arbeit.Blogs der Kategorie "Guck mal hab ich gesehen" sind keine Produzenten, sondern lediglich Distributoren bzw. Aggregatoren von Inhalten. Sie haben als Anlauf- und Sammelstelle für aufbereitete Meldungen auf jeden Fall einen gewissen Nutzwert für den User, doch eigene redaktionelle Inhalte findet man dort eher selten. Der Betreiber ist mit diesem Durchlauferhitzer für Fremdproduziertes in der Lage, höchst kosteneffizient zu arbeiten. Denn ein solcher Distributor ist auch derjenige, der die Werbegelder anzieht. Dort sitzt das Publikum, dort ist die Reichweite. Der ursprüngliche und eigentliche Produzent eines dort erscheinenden Inhalts aber geht häufig leer aus oder wird bestenfalls mit einem Link bedacht. Das geht informationsökonomisch völlig in Ordnung. Im Gegensatz zum "Verwurster" der Informationen ist es aber für jeden der einzelnen Produzenten kaum möglich, seinen Lebensunterhalt allein mit dem Output von eigenen Inhalten zu bestreiten.
Sinnvollerweise gibt es aus diesem Grund seit jeher Redaktionen als Zusammenschluss von Redakteuren in verschiedenen Ressorts einer Zeitungsmarke - im späteren Verlauf der Rationalisierung: mehrerer Zeitungsmarken unter dem Dach eines Verlagshauses. Die erwirtschafteten Gelder werden innerhalb dieses Konstruktes simpel ausgedrückt so umverteilt, dass jeder Mitarbeiter ausreichende Einnahmen erzielt.
Das macht auch nach wie vor Sinn, nur mit dem besagten Unterschied, dass die aggregierten Einnahmen aus dem Online-Geschäft auch dann in den meisten Fällen zu gering sind, um eine Redaktion wirtschaftlich zu betreiben. Es kommt noch eine weitere Komponente ins Spiel: Durch Tracking und Reporting ist im Internet der einzelne monetäre Beitrag eines redaktionellen Artikels zu den gesamten Werbeeinnahmen der Plattform viel besser darstellbar. Dabei stellt sich heraus, dass gerade die investigativen Beiträge keine sonderlich gute Performance abliefern. Z.B. ist ein journalistisch anspruchsvoller Artikel über den Afghanistan-Krieg nicht nur mit kostenintensiver Recherchearbeit verbunden, sondern auch noch schwer verträglich mit Werbeeinblendungen. Mit anderen Worten, das alte Lied: Qualitätsjournalismus refinanziert sich nicht mehr.Dass das nicht nur ein leerer Spruch ist, kann ich kurioserweise noch nicht mal so sehr beim Durchstöbern von meist quersubventionierten Inhalten der Nachrichtenwebsites erkennen. Wirklich auffällig wird es mitunter beim Zusammenstellen einer Liste von Blogs, die als lesenswert eingestuft werden können. Die Anzahl von Blogs mit überwiegend originären Beiträgen - noch nicht mal Quellen an sich, sondern treffend ausformulierte eigene Arbeitsleistungen - ist überraschenderweise relativ überschaubar - auch quer über verschiedene Interessensgebiete. Ein sehr großer Teil der Blogs begnügt sich im Großen und Ganzen mit a) der unzureichend reflektierten Wiedergabe von Fremdinhalten inklusive PR-Geplappere oder b) der leidlich spannenden Niederschrift und Bebilderung von gerade Erlebtem.
a) ist der Distributor. Bei der Masse sehr beliebt, aber qualitativ wenig anspruchsvoll. Nicht für jeden ist allein die Komposition von Schnipseln und Zusammenstellung von Links als würdige Arbeitsleistung und erwähnenswertes Blog interpretierbar. Und gerade im Internet schleicht sich bei einem halbwegs aufgeweckten User das Verlangen ein, direkt zur Quelle zu wollen, einfach weil es möglich ist.
b) ist tatsächlich der Produzent von eigenständigen Inhalten, das Blog im vielleicht herkömmlichen Sinne - durch den zwar oft sympathischen, auch egozentrisch-philosophischen Touch aber eben nur begrenzt als Informationsträger brauchbar.Kurzum: Was fehlt, sind kritische Fachblogs. Wahrscheinlich eben auch, weil sie arbeitsintensiver und kommerziell betrieben schwerer zu vermarkten als "Guck mal hab ich gesehen"-Blogs sind. Und das in erster Linie nicht, weil sie als Fachblog ein eher begrenztes aber durchaus interessantes weil interessiertes Publikum ansprechen. Sondern weil sie kritisch sind. Kritik und Werbeeinnahmen vertragen sich nicht gut. Neben den rechtlichen Problemen wie dem Abmahnwahn scheint für Blogs also zu gelten: Kritik muss man sich leisten können.

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